27 Menschen zwischen wenigen Monaten und 24 Jahren sind bei einem großen Tauffest im Garten des Fechheimer Gemeindehauses getauft worden. Rund 250 Angehörige und Freunde feierten mit. Es war ein Tag, an dem Kirche nicht nur Gottesdienst hielt, sondern Gemeinschaft lebte.
Zwei kleine Mädchen können nicht länger stillsitzen. Kaum erklingt das erste Lied, springen sie auf, fassen sich an den Händen und beginnen vor der versammelten Festgemeinde zu tanzen. Einfach so, fröhlich und unbefangen. Niemand hält sie zurück. Stattdessen breitet sich unter den Gästen ein Lächeln aus.
Für Arnica Mühlendyck, Diakonin und Öffentlichkeitsreferentin im Evang.-Luth. Dekanat Coburg, ist es einer jener Augenblicke, die von diesem besonderen Samstag in Erinnerung bleiben werden. "Da war keine Person, die danach nicht ein Lächeln auf den Lippen gehabt hat", erzählt sie.
Die Jüngsten unter den Täuflingen waren noch Babys, der Älteste 24 Jahre alt. Vier Pfarrerinnen und Pfarrer sowie ein Vikar aus der Region Rödental-Neustadter Kessel gestalteten gemeinsam das Tauffest, das an fünf verschiedenen Stationen im Garten stattfand.
Es war ein neuer Rekord für die Region und offenbar selbst für die Verantwortlichen überraschend. "Das große Interesse hat uns wirklich positiv überrumpelt", sagt Godila Baumann, Pfarrerin in der Pfarrei Neustadter Kessel.
Unter freiem Himmel
Warum entscheiden sich Familien für ein gemeinsames Tauffest und nicht für eine Taufe im klassischen Sonntagsgottesdienst? Für viele war gerade das Gemeinschaftliche ausschlaggebend. Sie wollten diesen wichtigen Moment nicht nur im eigenen Familienkreis erleben, sondern zusammen mit anderen.
Auch der Ort spielte eine große Rolle. Die Familien konnten dadurch ganz bei ihrem Täufling sein und waren dennoch Teil einer großen Gemeinschaft. "Im Grünen, unterm Apfelbaum, im wahrsten Sinne des Wortes", beschreibt Arnica Mühlendyck die besondere Atmosphäre. Für sie fühlte es sich an, "als würde von allen Seiten der Segen durch den Garten wehen".
Einer der Täuflinge war Moritz Büttner, nur wenige Tage nach seinem ersten Geburtstag. Seine Eltern hatten sich schnell für das Fest entschieden. "Im Garten unterm Apfelbaum und alle beisammen, das hat uns gefallen", erzählt sein Vater. Die Erwartungen seien nicht nur erfüllt worden: "Es war richtig schön."
Auch Familie Schröter hatte allen Grund zu feiern. Gleich fünf Enkelkinder zwischen zwei und vier Jahren wurden getauft. Für die Familie war das Fest eine Gelegenheit, aus verschiedenen Teilen Oberfrankens zusammenzukommen. Auf die Veranstaltung waren sie durch die Zeitung aufmerksam geworden. "Aber es war sogar noch schöner als erwartet", sagt der Großvater.
Ein Fest, das viele tragen
Dass ein Tauffest dieser Größenordnung nicht allein von Pfarrerinnen und Pfarrern organisiert werden kann, zeigte sich schon bei den Vorbereitungen. Zahlreiche Ehrenamtliche packten mit an. Bereits am Vortag wurden Biergarnituren aufgestellt, Tische vorbereitet und der Garten für die vielen Gäste hergerichtet.
Am Festtag selbst waren die Helferinnen und Helfer ständig unterwegs. Sie kochten Kaffee, trugen Geschirr, kümmerten sich um das Kinderprogramm, verteilten Liedblätter, spülten und halfen beim Auf- und Abbau.
"Ohne die Ehrenamtlichen wäre es nicht gegangen", sagt Arnica Mühlendyck. Selbst die Feuerwehr aus Fechheim beteiligte sich und regelte den Verkehr. Bei so vielen Familien wäre das kleine Dorf sonst rasch an seine Parkgrenzen gekommen.
Auch die Familien selbst trugen zum Gelingen bei. Sie brachten Kuchen und Salate für das gemeinsame Buffet mit. Ein Caterer sorgte für Bratwürste und Grillkäse. Für Pfarrerin Godila Baumann erinnerte das an eine biblische Geschichte: "Das ist wirklich wie bei der Speisung der 5.000. Jeder bringt etwas Kleines mit und alle werden satt."
Musikalisch begleitet wurde der Tag von der Band "Herrschaftszeiten". Die Pfarrpersonen gestalteten den Gottesdienst gemeinsam und so abgestimmt, als wären solche großen Feiern längst tägliche Routine. "Da hat alles toll ineinandergegriffen", sagt Arnica Mühlendyck.
Für Vikar Gregor Wierciochin war der Tag in besonderer Weise bewegend. Es waren die ersten Taufen, die er selbst als Vikar vollzog. "Die Stimmung war schön und die Zusammenarbeit hat wunderbar geklappt. Da war ganz viel von Gottes Liebe zu spüren", sagt er.
Kirche außerhalb ihrer Mauern
So viel Einsatz von Ehrenamtlichen, Familien und Feuerwehr trug nicht nur das Fest, sondern öffnete auch die Tür für Menschen, die sonntags nur selten einen Gottesdienst besuchen. Besonders viele Eltern kleiner Kinder waren dabei. Für Arnica Mühlendyck zeigt das, dass Nähe zur Kirche nicht allein daran gemessen werden kann, wie häufig jemand in einer Kirchenbank sitzt.
"Was heißt: Kontakt zur Kirche haben?", fragt sie. Das Fest habe Menschen angesprochen, die offen für Glaubenserfahrungen seien, diese aber nicht unbedingt in einem klassischen Kirchenraum suchten.
Gerade darin lag vermutlich die Stärke dieses Tages: Niemand musste erst eine Schwelle überschreiten oder wissen, wann man aufsteht, wann man sich setzt und an welcher Stelle welches Lied gesungen wird. Die Menschen kamen in den Garten, zu ihren Familien, zu ihren Kindern und Enkeln. Und mittendrin wurde getauft.
Schon in der Vergangenheit hatten einzelne Pfarreien rund um Neustadt und Rödental Tauffeste gefeiert. Zum ersten Mal schlossen sie sich nun zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammen. Das Ergebnis war ein Tag, der zeigte, was entstehen kann, wenn Gemeinden ihre Kräfte bündeln.
Pfarrerin Lisa Meyer zu Hörste aus Wildenheid fasste es am Ende schlicht zusammen: "Es war einfach genial." Und Pfarrerin Esther Goldammer aus Rödental fand die vielleicht passendsten Worte für das Gefühl, mit dem viele Gäste nach Hause gingen: "Mein Herz ist jetzt ganz voll."