Der Tag der deutschen Einheit ist für mich in erster Linie ein freier Tag und weniger ein Anlass zum Feiern. Nationalstolz spielt in meiner Generation kaum noch eine Rolle. Wir sind damit aufgewachsen, Nationalismus eher kritisch zu betrachten, weshalb es befremdlich erscheint, sich an einem solchen Tag besonders "deutsch" fühlen zu sollen. 

Während Nationalfeiertage in anderen Ländern mit Paraden und großer Feierlichkeit begangen werden, verläuft dieser Tag hierzulande meist unauffällig. Es gibt weder Feuerwerk noch ausgeprägte Begeisterung, allenfalls einige Reden im Fernsehen, die von meiner Altersgruppe kaum verfolgt werden.

Was die deutsche Wiedervereinigung betrifft, stammt mein Wissen vor allem aus dem Geschichtsunterricht: Mauerfall, Wendezeit und die damit verbundenen politischen Hintergründe. Auf einer rationalen Ebene ist mir durchaus bewusst, welch bedeutsamer historischer Moment dies war und welche Veränderungen damit einhergingen.

 Dennoch bleibt das Ereignis für mich erstaunlich abstrakt. Es wirkt wie ein Kapitel aus dem Schulbuch und weniger wie etwas, das mich persönlich berührt. Möglicherweise liegt dies daran, dass mir die Teilung Deutschlands nie als eigene Realität begegnet ist. Ich kenne ausschließlich ein vereintes Land und kann mir die frühere Situation kaum vorstellen. 

So bleibt der 3. Oktober für mich vor allem eines: ein unterrichtsfreier Tag, an dem die Geschichte zwar von Bedeutung ist, mir persönlich jedoch fern bleibt.