München (epd). Der Sozialverband VdK in Bayern hat die hohe Zahl von armutsgefährdeten Rentnerinnen und Alleinerziehenden im Freistaat kritisiert. Über ein Viertel aller Frauen über 65 Jahre seien laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet. Das höchste Armutsrisiko aber hätten Alleinerziehende. 38,5 Prozent der Alleinerziehenden seien betroffen. Kinder steigern die Armutsgefährdung: Bei Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern liege die Quote bei 9,9 Prozent, ab drei oder mehr Kindern sogar bei 27,7 Prozent, teilte der VdK mit. Für einen Ein-Personen-Haushalt in Bayern liegt die Einkommensschwelle, unter der man als armutsgefährdet gilt, laut VdK bei 1.236 Euro.

"Die gesetzlichen Renten können da nicht mithalten. Besonders alleinstehende Rentnerinnen sind im Freistaat in großer Armutsgefahr", warnte die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher. Aber auch bei den Arbeitseinkommen gebe es ein großes Gefälle. Es gebe Arbeitskräfte mit extrem hohen Einkommen und andererseits einen großen Niedriglohnbereich. In Ballungszentren würden sich die Lebenshaltungskosten an den höchsten Einkommen orientieren. "Da kommen immer mehr Menschen finanziell unter die Räder", so Mascher, zumal die hohen Energie- und Lebensmittelpreise zusätzlich zu hohen Mieten geschultert werden müssten.

In Bayern gebe es auch immer mehr Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, stellte der VdK fest. Ende 2021 wurden 129.420 gezählt, Ende 2020 waren es noch 126.855 gewesen. Aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gehe aber hervor, dass 60 Prozent der Anspruchsberechtigten keinen Antrag auf Grundsicherung stellen. Daher sei von einer großen verdeckten Altersarmut auszugehen. "Aus Scham oder Unwissenheit nehmen viele Betroffene ihr Recht gar nicht in Anspruch", so Mascher.