Ingolstadt, Eichstätt (epd). Obdachlose Frauen sind im Stadtbild meist nicht zu sehen: Mit einer Studie in Ingolstadt hat die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) diese These bestätigt, teilte sie in einer Mitteilung am Dienstag mit. Wegen geringer Einkommen und steigender Mieten und Energiekosten seien aber gerade alleinstehende und alleinerziehende Frauen noch einmal verstärkt von Wohnungslosigkeit bedroht, hieß es. Die Dunkelziffer betroffener Frauen sei groß.

In der Untersuchung im Auftrag des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) sei festgestellt worden, dass sich in der Stadt bis zu 400 Frauen an Einrichtungen wenden, weil sie sich von Wohnungslosigkeit bedroht sehen. Jedoch würden die befragten Träger von mehr als 2.000 Fällen in Ingolstadt ausgehen, hieß es.

Judit Bauer, Geschäftsführerin des SKF Ingolstadt, sagte bei einem Fachtag zu der Studie, alleinerziehende und alleinstehende Frauen seien häufig Geringverdienerinnen und könnten steigende Mieten und Energiekosten nicht einfach so wegstecken: "Vielen gelingt es, zunächst bei Bekannten und Verwandten unterzukommen. Aber häufig geraten sie so in Abhängigkeiten, riskieren sexuelle Ausbeutung und Gewalterfahrungen - für sich und ihre Kinder." Gerade Alleinerziehende ließen sich oft nicht beraten, weil sie befürchteten, von ihren Kindern getrennt zu werden, wenn keine Notunterkunft zur Verfügung stehe.

Nach den Ergebnissen der Studie empfehle man, den Ansatz von Housing First im System der Ingolstädter Wohnungslosenhilfe zu etablieren, sagte die Leiterin der Untersuchung, Professorin Annette Korntheuer, von der Fakultät für Soziale Arbeit. Housing First verfolgt die Idee, dass eine bedingungslos vermittelte Wohnung Ausgangspunkt für anschließend weitere Maßnahmen ist, die das Leben der Klientinnen stabilisieren.