Rosenheim (epd). In der Stolperstein-Frage in Rosenheim hat sich die Initiative Erinnerungskultur erneut mit einem offenen Brief an die Stadträte und den Oberbürgermeister der Stadt gewandt. Man freue sich, "dass die Stadt nun konkrete Pläne zu einem dezentralen individuellen Gedenken vorlege - sei es mit Stolpersteinen oder mit Erinnerungszeichen", heißt es in dem Schreiben. Beide Formen seien "würdevoll und aussagekräftig". Nach längerer Debatte soll am Mittwoch (23. Februar) im Stadtrat darüber abgestimmt werden, ob Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer auf öffentlichem Grund der oberbayerischen Stadt weiterhin verboten bleiben.

Die Initiative, die im Juni vergangenen Jahres in der Stadt die ersten sieben Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des NS-Regimes auf Privatgrund verlegt hat, plädiert dafür, den Angehörigen selbst die Entscheidung zu überlassen, welche Form sie sich wünschen. Stolpersteine gelten als größtes dezentrales Mahnmal weltweit: In Bayern gibt es die meisten in Würzburg, München entschied sich gegen sie und nutzt stattdessen Stelen und kleine Metallplaketten an Hauswänden als Erinnerungszeichen.

Zwar gebe es auch Kritiker der Stolpersteine, allen voran die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, die sich daran störten, Menschen würden das Gedenken bei dieser Form im wahrsten Sinne des Wortes "mit Füßen treten". "Doch die allermeisten Angehörigen sehen es genau wie ich: Indem wir die Namen lesen, verbeugen wir uns vor den Opfern", schrieb Initiativen-Sprecher Thomas Nowotny. An sechs seiner eigenen ermordeten Verwandten erinnern in München nicht nur Stolpersteine auf Privatgrund, sondern auch Erinnerungszeichen auf einer Wandtafel und einer Stele. Entscheidend sei nicht, wie erinnert werde, sondern dass erinnert werde, betonte die Initiative.

Ein interfraktioneller Antrag von 16 Stadträten, Stolpersteine auch auf öffentlichem Grund zu befürworten, hatte das Thema auf den Rosenheimer Rathaustisch gebracht. In einer Sitzung vergangene Woche sprachen sich Oberbürgermeister Andreas März (CSU) und Stadtverwaltung gegen das Verlegen von Stolpersteinen aus und plädierten dafür, sich dem Münchner Modell der "Erinnerungszeichen" anzuschließen. Wie sich der Stadtrat am Mittwoch entscheiden wird, ist offen.