Wassertrüdingen (epd). Seit über einem Jahr streitet sich der kleine Diakonieverein Wassertrüdingen mit der Regierung von Mittelfranken um eine Millionenforderung für ein altes Schulhaus - doch jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Die Stadt Wassertrüdingen will dem von der Insolvenz bedrohten Verein mit 1,18 Millionen Euro helfen und Eigentümerin der ehemaligen Förderschule werden. Auch der Diakonieverein wird sich mit 600.000 Euro an der Sachwert-Rückforderung des Freistaats beteiligen. Allerdings nicht direkt, sondern über das größere Diakoniewerk Dinkelsbühl-Wassertrüdingen.
Der Streit um die im Jahr 1987 eröffnete frühere Förderschule "Zum Guten Hirten" ist einigermaßen kurios. 2017 hatte die Regierung von Mittelfranken der Diakonie die Genehmigung zum Weiterbetrieb der Förderschule entzogen - wegen stark rückläufiger Schülerzahlen. Die Diakonie hatte als Träger der Schule darauf bereits reagiert und neben der vorhandenen Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE), also einer Kita für Kinder mit besonderem Förderbedarf, auch Gruppen einer Regel-Kita im Schulhaus einquartiert. Das wurde der Diakonie mit der Schulschließung 2017 schließlich zum Verhängnis.
Der Freistaat hatte einst Grundstückskauf und Schulbau zu 100 Prozent übernommen. Nun sollte die Diakonie einen Teil der damals gezahlten staatlichen Fördermittel wegen "nicht mehr förderfähiger Nutzung" des Gebäudes zurückzahlen. Dagegen wehrte sich die Diakonie - letztlich aber erfolglos. Das Verwaltungsgericht Ansbach wies die Klage der Diakonie im Juli 2021 zurück, die Forderung der Regierung von Mittelfranken sei berechtigt. Allein für das Schulgebäude werden 1,23 Millionen Euro fällig, für den Gebäudeteil der inzwischen ebenfalls stillgelegten SVE weitere 630.000 Euro.
Würden die Stadt und das Diakoniewerk dem kleinen Diakonieverein nicht zur Seite springen, müsste der zwangsläufig Insolvenz anmelden. Davon betroffen wären acht Kita-Gruppen, deren Trägerschaft beim Verein liegt. Kurzum: Die Diakonie-Kitas müssten schließen, die Stadt als Träger einspringen. Um das zu verhindern, hat sich der Stadtrat unter Vorbehalt entschieden, dem Diakonieverein die Gebäude und auch das Grundstück abzukaufen, damit dieser die Rückforderungen zahlen kann. Weil die Stadt aber ziemlich klamm ist, müssen für einen finalen Beschluss noch die Haushaltsberatungen bis Ende März abgewartet werden.