Rosenheim (epd). Die Realschule für Mädchen in Rosenheim hat künftig einen besonderen Schatz zu hüten: Den Stolperstein für die 1942 ermordete jüdische Schülerin Lisi Block. Denn aus seiner geplanten Verlegung am 7. März wird nun nichts: Der Stadtrat Rosenheim hat am Mittwochabend mit 23 zu 19 Stimmen gegen Stolpersteine auf öffentlichem Grund gestimmt. Stattdessen sollen nun alternative Formen für Erinnerungszeichen geprüft werden, sagte ein Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der CSU-Antrag dafür sei mit 31 zu 9 Stimmen angenommen worden. Bis 30. Juni solle außerdem ein zentraler Erinnerungsort in Rosenheim entstehen.

Noch am Mittwoch hatte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, einen Eilbrief an den Rosenheimer Oberbürgermeister mit Bitte um Unterstützung des Stolperstein-Antrags geschrieben. Entsprechend drückte Schuster gegenüber dem epd sein Bedauern über die Ablehnung des Stadtrats aus. Dennoch seien Stolpersteine nicht die einzige Möglichkeit der Erinnerung. Ihm sei wichtig, dass die Rosenheimer Entscheidung "keine Entscheidung gegen das Gedenken sei", so Schuster.

Persönlich halte er Stolpersteine für eine "herausragende Möglichkeit des Gedenkens". Er und weite Teile der Gremien im Zentralrat teilten, so Schuster wörtlich, "nicht die Sorge von Charlotte Knobloch, dass mit den Stolpersteinen das Gedenken mit Füßen getreten" werde. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München-Oberbayern hatte sich in der Vergangenheit aus diesem Grund gegen Stolpersteine ausgesprochen.

Enttäuscht vom Stadtrats-Votum zeigte sich Thomas Nowotny, Sprecher der Initiative Erinnerungskultur in Rosenheim. Es sei eine Schande, wie mit den Wünschen und Gefühlen der Angehörigen von Holocaust-Opfern umgegangen werde, sagte er gegenüber dem epd. Der bereits fertiggestellte Stolpersteine für die 1942 ermordete jüdische Schülerin Lissy Block werde nun am 7. März in einer Feierstunde an die Realschule für Mädchen übergeben und dort aufbewahrt. Eine ähnliche Lösung suche man noch für die Stolpersteine der Familie Kohn.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Rosenheim bedauert das Aus für die Stolpersteine. "Dass sich der Stadtrat nicht zu einer Öffnung für die Stolpersteine bewegen konnte, ist ein Armutszeichen", sagte Bernd Rother, evangelischer Pfarrer und ACK-Vorsitzender. Es gebe viele Angehörige von Opfern der Shoa, die sich diese Form des Gedenkens wünschten.

Allerdings begrüße die ACK den Plan eines zentralen Gedenkorts in Rosenheim: "Dafür haben wir seit Jahren votiert." Ein solcher Gedenkort müsse pädagogisch gut aufbereitet sein, sodass auch Schulklassen ihn besuchen könnten. Zudem dürfe er kein Ersatz für dezentrales Gedenken sein, betonte Rother: "Beide Formen sind wichtig." Laut Thomas Nowotny gebe es in Rosenheim über 20 erforschte Schicksale von politisch Verfolgten, an die erinnert werden müsse. Dazu kämen die NS-Opfer aus bislang in Rosenheim unerforschten Bevölkerungsgruppen wie Homosexuelle oder Zeugen Jehovas.

Welche Form des Gedenkens nun denkbar ist, solle im Stadtrat gesondert besprochen werden, sagte der Sprecher der Stadt. Das Modell der Messingstelen, wie sie in München eingesetzt werden, wolle man mit der Israelitischen Kultusgemeinde München-Oberbayern abstimmen.