Bad Griesbach, Regensburg (epd). Für den Regensburger evangelischen Regionalbischof Klaus Stiegler ist die Wiederentdeckung Gottes als eines "helfenden und stärkenden Gottes" das Herzstück der Reformation. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) habe mit seinem Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche eine Kirchenreform ausgelöst, in deren Verlauf die Gläubigen einen persönlichen Zugang zu Gott fanden: Statt Angst wurde die Liebe zum Grundgefühl der Gottesbeziehung, sagte der Regionalbischof laut Predigttext am Abend des Reformationstags (31. Oktober) in der ökumenischen Emmauskirche im niederbayerischen Bad Griesbach (Kreis Passau).
Am Reformationsfest erinnerten sich die Gläubigen daran, dass Gott eine "besondere und einzigartige Kraftquelle für das Leben" sei - gerade in diesem Jahr multipler Krisen, betonte der Regionalbischof. Corona, Krieg und Klimawandel: Nicht wenige Menschen hätten zusätzlich Angst vor einem kalten Winter. "Wir ahnen, dass vieles anders werden wird, ohne es jetzt schon genau fassen und bestimmen zu können", sagte Stiegler.
Der Regionalbischof erläuterte weiter, dass man in diesen schwierigen Zeiten Zuversicht, Stärke und Hilfe gewinnen könne, wenn man sich Zeit für Gott, die biblischen Geschichten und Gebete nehme. Auch Kirchen seien "Orte der Zuversicht in kräftezehrender Zeit". Für den Reformator Martin Luther sei es wichtig gewesen, dass jeder Mensch selbst Zugang zu diesem "wunderbaren Kraftreservoir" habe. Darum habe er vor 500 Jahren die Bibel ins Deutsche übersetzt.
Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an die Anfänge der evangelischen Kirche. Die vom damaligen Augustinermönch Martin Luther um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreiteten 95 Thesen gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Während der Gedenktag früher zur Abgrenzung der Protestanten gegenüber katholischen Christen genutzt wurde, wird er inzwischen im Geist der Ökumene gefeiert.