Münchberg (epd). An den Enthüllungen von Gedenktafeln zum Antiziganismus in Oberfranken in den kommenden Tagen wird unter den teilnehmenden Sinti-Überlebenden der NS-Deportationen auch eine Frau sein, die bisher nicht in der Öffentlichkeit erschienen ist. Wie die evangelische Landeskirche am Donnerstag mitteilte, war die damals junge Frau am 6. März 1943 gemeinsam mit ihrer Familie von Münchberg über Nürnberg nach Auschwitz deportiert worden. In Münchberg waren zuvor zwei Sinti-Familien auf Anordnung der Nationalsozialisten auf dem Platz vor dem Schützenhaus "festgesetzt" und durften diesen Platz nur mit Genehmigung verlassen.

Die Überlebende ist an diesem Freitag, 16. Mai, bei der ersten Enthüllung in Rattelsdorf (Landkreis Bamberg) und im Ortsteil Höfenneusig dabei. Die Tafeln erinnern an die Deportation örtlicher Sinti-Familien, die im März 1943 im Zuge des sogenannten "Auschwitzerlasses" nach Auschwitz-Birkenau verschleppt wurden.

Die Tafeln sind das Ergebnis eines Gedenkprojekts vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad in Kooperation mit dem Bayerischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma, hieß es. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Oberfranken-Stiftung und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern förderten das Projekt.

Nachfahren der betroffenen Familien nehmen auch an Gedenkfeiern in Weißenstadt am Donnerstag, 22. Mai (17.30 Uhr) teil, bei der an ein antiziganistisches Pogrom in der Frühen Neuzeit erinnert wird. Am Montag, 26. Mai (16.30 Uhr) werde in Münchberg der NS-Deportationen gedacht. In Bad Berneck soll es eine Tafel geben, die an eine Hinrichtung im 18. Jahrhundert erinnert. Der Termin für die Enthüllung stehe bisher nicht fest, teilte die Landeskirche mit.