Lauf an der Pegnitz (sob). Der Bayerische Flüchtlingsrat (BFR) zeigt sich bestürzt über die Tötung eines iranischen Flüchtlings durch die Polizei in Lauf an der Pegnitz und fordert eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse.
Man sehe die komplexen und herausfordernden Situationen, denen Polizeibeamt:innen in ihrem täglichen Dienst ausgesetzt seien, heißt es in einer Erklärung:
"Gleichzeitig sind migrantisierte und geflüchtete Menschen bei Polizeieinsätzen einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, tödliche Gewalt zu erfahren."
Diese Risiken müssten auf allen Ebenen der Gesellschaft ernsthaft diskutiert werden, um sicherzustellen, dass alle Menschen gleichermaßen geschützt seien. Wenn es bei Polizeieinsätzen Verletzte und Todesfälle gebe, müssten die gewählten polizeilichen Maßnahmen hinsichtlich ihrer Verhältnismäßigkeit geprüft werden, heißt es weiter.
"Wir fordern daher eine umfassende und kritische Untersuchung des Vorfalls in Lauf an der Pegnitz, um zukünftige Tragödien zu verhindern", wird Johanna Böhm, Mitarbeiterin des Bayerischen Flüchtlingsrats, zitiert. "Dazu gehört es auch zu erkennen, wo präventive Unterstützungsangebote fehlen und solche Strukturen zu etablieren oder zu stärken." Der BFR fordert mehr psychosoziale Angebote für Menschen in Krisensituationen sowie deeskalierende Maßnahmen für Polizeibeamt*innen.
Nach Angaben der Polizei war der 34-jährige Mann am Sonntag an der Bushaltestelle neben dem S-Bahnhof Lauf links der Pegnitz im Landkreis Nürnberger Land auf einen Streifenwagen der Bundespolizei zugegangen. Er soll die Polizist*innen beschimpft und beleidigt haben. Als diese aus dem Fahrzeug ausgestiegen seien, habe er sie mit einem Messer angegriffen, so die Darstellung der Polizei.
Der Mann, bei dem es sich laut Medienberichten um einen abgewiesenen Asylantragsteller aus dem Iran handeln soll, habe weder auf Pfefferspray noch auf einen Warnschuss reagiert, so die Polizei weiter. Daraufhin habe eine Beamtin ihm in den Bauch geschossen. Er sei an den Verletzungen verstorben.