München (epd). Der Patientenbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Peter Bauer, ruft die Menschen dazu auf, sich mehr mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. "Wir müssen dringend etwas tun, damit nicht mehr alle acht Stunden ein Mensch auf der Warteliste stirbt, weil kein passendes Spender-Organ zur Verfügung steht", sagte er laut Mitteilung vom Donnerstag zum Tag der Organspende (4. Juni).
Es sei erschreckend, dass die Zahl der Organspenden Anfang dieses Jahres massiv zurückgegangen sei. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) habe von einem Einbruch um 29 Prozent im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum berichtet, sagte Bauer weiter. Als Grund vermute die DSO eine anhaltende Arbeitsüberlastung in den Kliniken wegen der Corona-Pandemie.
Bauer wünsche sich für Deutschland eine Neuausrichtung der Organspende. Unter anderem spricht er sich für die doppelte Widerspruchslösung aus. Er fände es richtig, wenn jede Person grundsätzlich als Organ- oder Gewebespender gilt. Ausgenommen seien Personen, die zu Lebzeiten Widerspruch dagegen einlegen. 2020 hatte sich der Deutsche Bundestag gegen eine solche Widerspruchslösung entschieden.
Derzeit gilt in Deutschland die Zustimmungslösung - dass man also aktiv einer Organspende zustimmen muss. Diese Entscheidung kann man unter anderem auf Organspendeausweisen festhalten oder in einer Patientenverfügung. Ende 2021 standen in Bayern mehr als 1.000 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation, bundesweit waren es 8.448. In bayerischen Transplantationszentren wurden im vergangenen Jahr 406 Organe nach einer postmortalen Spende übertragen, bundesweit waren es 2.979.