München (epd). Walter Joelsen, NS-Verfolgter und Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), ist tot. Joelsen starb am vergangenen Montag (22. Mai) im Alter von 96 Jahren, wie der Pfarrer der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Björn Mensing, am Dienstag mitteilte. Joelsens "hohe theologische Kompetenz und seine menschliche Wärme, Offenheit und ermutigende Solidarität" werde der Versöhnungskirche fehlen, sagte Mensing. Ende Juni werde die Kirche zu einem Gedenkgottesdienst für den Verstorbenen einladen.

Walter Joelsen wurde 1926 in München in einer evangelischen Familie geboren, galt aber im NS-Regime wegen der jüdischen Herkunft seines Vaters als "Halbjude". Als Jugendlicher wurde er 1943 vom Schulbesuch ausgeschlossen und musste ab Oktober 1944 Zwangsarbeit in verschiedenen Lagern in Thüringen leisten. Nach dem Krieg studierte Joelsen evangelische Theologie, arbeitete als Studierendenpfarrer und engagierte sich jahrelang als Prediger und Zeitzeuge für die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.