München (epd). Die Generalstaatsanwaltschaft München hat in einem 2025 wieder aufgerollten Fall einen Tatverdächtigen ausgemacht. Einer Mitteilung vom Donnerstag zufolge habe eine Zeugin glaubhafte Angaben zum möglichen Verursacher des Brandanschlags auf die Israelitische Kultusgemeinde in München am 13. Februar 1970 gemacht. Ein damals 25-jähriger Deutscher, den sein Umfeld als Antisemiten bezeichnet, könnte demnach für den Tod von sieben Holocaust-Überlebenden verantwortlich sein. Weil der Mann bereits 2020 verstorben ist, sei eine rechtliche Klärung aber nicht abschließend möglich, so die Generalstaatsanwaltschaft.

Das Verfahren zum Anschlag in der Münchner Reichenbachstraße war 2017 eingestellt, nach neuen Hinweisen im April des vergangenen Jahres jedoch wiederaufgenommen worden. Ein naher Verwandter der Zeugin habe in den 70er-Jahren in engem Kontakt mit dem Tatverdächtigen gestanden, heißt es. Nach dem Tod des Verwandten teilte die Zeugin ihre Kenntnisse mit den Ermittlern. Diese werteten unter anderem die archivierten Akten der Staatsanwaltschaft München I und des Generalbundesanwalts aus und vernahmen Zeugen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen, wodurch sich der Verdacht erhärtete.

Tatverdächtiger soll "Hitler-Tick" gehabt haben

Der Tatverdächtige soll sich zur Tatzeit regelmäßig um das Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde herum aufgehalten haben. Befragungen seines Umfeldes hätten zu Tage gebracht, dass er ein Antisemit mit "Hitler-Tick" gewesen sei, Hitlers Reden gehört und Schießübungen im ehemaligen "Führersperrgebiet Obersalzberg" gemacht habe. In den 60ern hatte er zwei Telefonhäuschen in München mit Sprengstoff zerstört und war dafür zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Am Abend des Anschlags soll er geäußert haben, dass "die Juden alles hätten" und er "sie anzünden" wolle. Eine abschließende rechtliche Klärung ist nicht möglich. Es gilt die postmortale Unschuldsvermutung.

Bei dem Anschlag auf das Gebäude, das als Seniorenheim und Gästehaus der jüdischen Gemeinde gedient hatte, starben sieben jüdische Bewohner. 15 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Am Gebäude entstand zudem ein Sachschaden in Höhe von etwa 730.000 Mark.