Erlangen (epd). Nach Aussage des Erlanger Biologen Wolfgang Kießling ist eine Erderwärmung von etwa 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich - insofern alle bereits beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt würden. In einem Interview mit den Zeitungen der Mediengruppe Bayern vom Freitag sagte der Professor für Paläobiologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen: "100 Prozent des Klimawandels sind menschengemacht." Zwar habe es auch in der Geschichte erhebliche Klimaveränderungen gegeben, aber diese seien überwiegend regional begrenzt gewesen. Die heutige Erwärmung sei eine weltweite.

Wirtschaftliche Interessen würden trotz der Bedrohungen für das gesamte Ökosystem gegen den Klimaschutz ausgespielt, obwohl die Folgekosten des Klimawandels deutlich höher seien, so Kießling, der einer der Hauptautoren des Weltklimaberichts 2022 war. Jedes Zehntelgrad, das sich an Erwärmung verhindern lasse, zähle. Neben dem Klimaschutz müsse sich die Gesellschaft nun stärker an die unvermeidbaren Folgen anpassen. Städte müssten beispielsweise mehr Grünflächen und Kühlräume schaffen und Versiegelungen aufbrechen sowie die Infrastruktur an die klimatischen Bedingungen der Zukunft anpassen.