Bonn, Würzburg (epd). Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2022 geht an die Autorin Kirsten Boie für ihren Roman "Dunkelnacht". Darin erzählt sie die Geschichte der "Penzberger Mordnacht", in der die Nazis am 28. April 1945 in der südlich von München gelegenen Gemeinde 16 Menschen zum Tode verurteilten, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag mitteilte. Die Jury unter Vorsitz des Trierer Weihbischofs Robert Brahm wählte den Jugendroman aus 161 Titeln aus.
Der Bischof von Würzburg, Franz Jung, betonte laut Redemanuskript bei der feierlichen Übergabe des Preises an die Autorin im Würzburger Burkardushaus neben dem Dom: "Penzberg könnte überall in Deutschland sein." In den letzten Tagen und Stunden des Dritten Reiches hätten die Nationalsozialisten viele solcher Taten verübt. Der Text sei ein Plädoyer gegen das Vergessen und Mahnung vor möglichen Wiederholungen solcher Gräueltaten.
In ihrer Laudatio würdigte die Literaturwissenschaftlerin Gabriele von Glasenapp das Buch als "Panorama des Dritten Reichs aus der deutschen Innenperspektive". Dafür habe Boie mit Lokalhistorikern gesprochen, Akten studiert und die Ereignisse schließlich erzählerisch verdichtet, "wie man es so bislang in einer jugendliterarischen Erzählung noch nicht gelesen hat". Im Zentrum stünden dabei die Figuren, "'die Deutschen' in ihrer Gesamtheit nach zwölf Jahren Diktatur: die Überzeugten, die Mitläufer, die Opportunisten, die Fanatiker, die Berechnenden und die alten Demokraten".
Die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Kinderbuchautorin Boie kam 1950 in Hamburg zur Welt und gilt als eine der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen im deutschsprachigen Raum. Zu ihren Werken gehören die Reihe "Geschichten aus dem Möwenweg", "Der kleine Ritter Trenk" und die Reihe "Detektiv & Gentleman" um den Jungen Thabo. Unter anderem erhielt sie den Sonderpreis des Jugendliteraturpreises für ihr Lebenswerk.