München (epd). Anlässlich des Hochfests Allerheiligen hat Kardinal Reinhard Marx in der Pfarrkirche Herz Jesu in München zu einer Orientierung an den Prinzipien aus Jesu Bergpredigt aufgerufen. Wie das Erzbistum München am Dienstag mitteilte, sagte der Erzbischof bei einem Fernsehgottesdienst in der ARD, die Bergpredigt mache deutlich, "dass die Armen ihren Platz haben, dass Versöhnung geschenkt wird, dass Gerechtigkeit angestrebt werden kann".
Gerade jetzt sei diese Botschaft wichtig, "wo wir in einer Situation sind, in der - stärker vielleicht als je zuvor - von Krisen die Rede ist, von Polarisierung, Nationalismus, Kriegen, wo neue Spaltungen entstehen", sagte Marx. An Allerheiligen gehe es nicht nur um die Heiligen der katholischen Kirche, sondern "um den Blick Gottes auf alle Menschen, die - wissend oder unwissend - in der Spur des Mannes gegangen sind, der uns die Bergpredigt geschenkt hat". Die Kirche müsse auf diesem Weg "Zeichen und Werkzeug des Reiches Gottes sein", sagte der Erzbischof von München und Freising.
Allerheiligen erlaube laut Marx einen anderen Blick auf die Geschichte: "Nicht auf die, die vordergründig da sind und mit Macht und Profitinteressen alles unter ihre Hände nehmen", sondern auf "die Friedensstifter, die Sanftmütigen, die ohne Gewalt aufgetreten sind und nach Gerechtigkeit gesucht haben". Am Fest Allerheiligen werde gesagt: "Sie bekommen recht!"
Die Ursprünge des Hochfestes Allerheiligen reichen bis ins vierte Jahrhundert zurück. Entstanden ist das Fest aus der Verehrung der Märtyrer, die wegen ihres christlichen Glaubens starben und als Heilige verehrt wurden. Heute schließt es alle Verstorbenen mit ein. In Bayern ist Allerheiligen ein stiller Feiertag.