Würzburg (epd). Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl und der Bayerische Flüchtlingsrat haben von der Politik gefordert, den unsicheren Aufenthaltsstatus der Duldung abzuschaffen. Davon seien rund 242.000 geflüchtete Menschen in Deutschland betroffen, teilten die Flüchtlingshelfer am Donnerstag in Würzburg mit. Viele von ihnen stammten aus dem Irak, Afghanistan, Nigeria, dem Iran oder auch aus russischen Teilrepubliken wie Tschetschenien und könnten auf absehbare Zeit nicht dorthin zurück.
Der Alltag von Geduldeten sei geprägt von Perspektivlosigkeit, Angst vor einer Abschiebung und der Einschränkung sozialer Rechte, kritisieren die Organisationen. Sie fordern von den noch bis Freitag in Würzburg tagenden Innenministern und Innensenatoren, einen Abschiebestopp zu erlassen. Nach wie vor würden "gut integrierte Geflüchtete" abgeschoben, obwohl für sie zeitnah ein Bleiberecht in Aussicht steht - gemeint ist das von der Ampel-Koalition angekündigte "Chancen-Aufenthaltsrecht".
Pro-Asyl-Rechtsexpertin Wiebke Judith sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Würzburg, die im Ampel-Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen beim Bleiberecht wären für zahlreiche von der Abschiebung bedrohte Menschen "ein Rettungsanker". Dass weiter Menschen abgeschoben werden, die zeitnah unter die neuen Bleiberechtsregelungen fallen würden, müsse aufhören - zunächst durch Abschiebeverbote "und dann durch zügige Umsetzung der Vorhaben auf Bundesebene".
Die Forderungen an die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern hatten Pro Asyl, der Bayerische und Würzburger Flüchtlingsrat, Jugendliche ohne Grenzen sowie der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) gemeinsam formuliert. Zusammen mit vielen weiteren Organisationen rufen sie an diesem Donnerstagnachmittag in der Würzburger Innenstadt ab 16.30 Uhr auch zu einer Demo unter dem Titel "Bleiberecht und Aufnahme jetzt!" auf.