München (epd). Hochwertiger Journalismus ist nach Überzeugung der Intendantin des Bayerischen Rundfunks (BR), Katja Wildermuth, notwendiger denn je. Qualitätsmedien müssten Standards hochhalten, verantwortungsbewusst sein, Fehler eingestehen, dialogbereit sein und die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort kennen, sagte sie am Dienstag in ihrer Gedächtnisvorlesung zum Gedenken an die NS-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" laut Redemanuskript in München. Ihre Rede soll am Dienstagabend in ARD alpha ausgestrahlt werden.
Im Journalismus sei es nie nur um die reine Erstellung von Inhalten gegangen, "sondern immer um publizistische Verantwortung und Ethos", sagte Wildermuth weiter. Guter Journalismus hinterfrage kritisch, zeige alle Seiten auf und trenne Tatsachen und Meinung klar voneinander. Aufgaben, die in der digitalen Welt immer wichtiger würden: Denn nun seien Informationen, Bilder und Videos jederzeit und überall verfügbar, jeder könne sie ganz einfach selbst produzieren. Ein Informationsmonopol der "klassischen Medien" gebe es nicht mehr, sagte die BR-Intendantin.
Das liege vor allem an den sozialen Medien. Die Frage sei aber, wie kompetent die User zwischen journalistischen Inhalten und Fake News unterscheiden könnten. Außerdem neigten die neuen Kommunikationsformen zu Verkürzung. "Simple Botschaften werden verschärft und verbreiten sich in Windeseile millionenfach", kritisierte Wildermuth. Meist setze sich der Aufreger durch und komplexe Botschaften blieben auf der Strecke: "Schwarz oder Weiß sind die Muster, ein 'gefällt mir' zählt mitunter mehr als ein 'stimmt'."
Für die Demokratie bedeute es nichts Gutes, wenn Verengung und Emotionalisierung größere Öffentlichkeiten erreichen als differenzierte Nachrichten, kritisierte Wildermuth. Oder wenn relevante Themen zunehmend durch die "Gutvernetzten”, aber ohne publizistische Standards arbeitenden Digital-Profis gesetzt werden. Die großen Plattformen müssten daher reguliert werden, um Fairness und Meinungsvielfalt insbesondere auch im digitalen Raum sicherzustellen. Gerade investigativer Journalismus finde nicht bei Google, Facebook und Co. statt.