München (epd). Das bayerische Beratungs- und Präventionsnetzwerk zum Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung wächst: Seit Oktober verstärkt die Beratungsstelle pro familia Nürnberg das Netzwerk, wie das Sozialministerium am Donnerstag in München mitteilte. Es sei wichtig, dass von Genitalverstümmelung betroffene oder bedrohte Mädchen und Frauen passgenaue Beratung und Unterstützung erhalten, sagte die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU).
Weibliche Genitalverstümmelung ist laut Scharf eine "schwere Menschenrechtsverletzung, die wir nicht tolerieren". Sie sei "weder mit kulturellen noch mit hygienischen Aspekten zu rechtfertigen". Die Ziele des Netzwerks seien Bewusstsein zu schaffen, aufzuklären und dafür zu sensibilisieren, "dass Genitalverstümmelung nicht tabuisiert und praktiziert werden darf", sagte Scharf.
Die stellvertretende Vorsitzende von pro familia Nürnberg, Mechthild Gahbler, sagte, dass Gewalt gegen Frauen und Genitalverstümmelung "nicht nur in den Heimatländern der Frauen eine brutale Tatsache" seien. Die Gesellschaft hierzulande dürfe sich der Verantwortung nicht entziehen, sich für die betroffenen Frauen und ihre Familien einzusetzen. Man sei als pro familia im Raum Nürnberg bereits seit 2017 in diesem Feld aktiv und hoffe, diese Arbeit im Netzwerk ausbauen zu können.
Schätzungen der Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" aus dem Jahr 2020 zufolge sind alleine in Bayern rund 12.600 Frauen von Genitalverstümmelung betroffen und rund 3.300 Mädchen davon bedroht.