Würzburg (epd). Der frühere Frankfurter Soziologie-Professor Frank Nonnenmacher hält an diesem Freitag (3. Juni) im Würzburger Rathaus einen Vortrag zur dortigen Ausstellung des Arbeitskreises Würzburger Stolpersteine. Die Ausstellung trägt den Titel "'Asoziale' und 'Berufsverbrecher' im KZ - diskriminiert - ignoriert - vergessen?" und thematisiert die Schicksale einer "lange von der Politik und Erinnerungskultur weitgehend ignorierten Opfergruppe des NS-Regimes", teilten die Veranstalter am Montag mit. Nonnenmachers Vortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 19.30 Uhr.
Nonnenmacher führte selbst über viele Jahre ausführliche Interviews mit seinem Onkel, der selbst im KZ saß, sowie seinem Vater über deren unterschiedliche Lebenswege. Daraus sei eine "spannende biografische historisch-politische Erzählung" geworden, aus der Nonnenmacher Auszüge vortragen wird. Der Soziologie-Didaktiker hat darüber hinaus eine Initiative zur Anerkennung dieser Opfergruppe gegründet und war damit im Jahr 2020 im Deutschen Bundestag schließlich erfolgreich. Auch über die "zum Teil schleppende Umsetzung" des Bundestagsbeschlusses wird er berichten, hieß es.
Der 1908 geborene Onkel von Frank Nonnenmacher kam schon früh mit dem Gesetz in Konflikt: Er musste schon früh durch kleine Diebstähle zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, schwänzte die Schule, kam in ein Fürsorgeheim. Dort riss er aus, wurde Wanderarbeiter und Hausierer - und wurde mehrfach wegen kleinerer Delikte belangt. Die Nazis brachten ihn 1941 dann direkt nach seiner letzten Vorstrafe aus der Polizeihaft ins KZ Flossenbürg und später ins KZ Sachsenhausen. Der Onkel überlebte die Konzentrationslager.