Der Pfarrer der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Björn Mensing, ist mit einem Festgottesdienst am Sonntag 12. Juli 2026 in den Ruhestand verabschiedet worden. Zum Gottesdienst mit Empfang in der Dachauer Friedenskirche kamen mehr als 300 Gäste – darunter Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und der Holocaust-Überlebende Ernst Grube sowie der Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke). 

Charlotte Knobloch würdigte Mensing als einen Menschen, dessen moralischer Kompass immer in die richtige Richtung gewiesen habe und der gezeigt habe, wie das Elend, das den Menschen begegne, überwunden werden könne, wenn der Weg der Hoffnung beschritten werde. Gleichwohl dürfe nicht vergessen werden: "Die Vergangenheit blickt uns direkt ins Gesicht". Zwar sei das Land, in dem wir leben, heute ein anderes als während der NS-Zeit. Dennoch dürfe die scheinbare Sicherheit die Menschen nicht dazu verleiten, zu glauben, dass sich nichts verändern könne. 

Björn Mensing: Historiker und Theologe

Das Lebenswerk des Theologen nahm der Münchner Regionalbischof Thomas Prieto Peral in den Blick. Björn Mensing habe sich früh für Geschichte begeistert und mit seiner Arbeit an der Versöhnungskirche stellvertretend für die Kirchen eine theologisch reflektierte Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte geliefert. "Er hat ein ehrfurchtsgebietendes Detailwissen und die Gabe der Vernetzung", sagte Prieto Peral. Mensing habe Schülern, Politikern oder Gästen gezeigt, wie Geschichte berühren und verändern könne. Bei seinen Projekten und Themen habe er eine "Beharrlichkeit gezeigt, die durch nichts und niemand zu bremsen war", sagte Prieto Peral. 

Als einen "sehr toleranten, offenen, zugewandten, aber auch unbequemen Menschen mit einem aufrechten Gang" beschrieb der Holocaust-Überlebende Ernst Grube den evangelischen Theologen. Die Erinnerungsarbeit an der Versöhnungskirche in Dachau habe Mensing mit großer Sorgfalt und historischer Kenntnis vollzogen - und immer wieder viel Einsatz, Mut und Zivilcourage gezeigt. 

Der Stiftungsdirektor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller würdigte Mensing als Mahner und Brückenbauer, der es geschafft habe, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden. Freller erinnerte daran, dass er nach der Eröffnung der Ausstellung "Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" alle Bürgermeister dazu aufgerufen habe, in Neubaugebieten die Straßen nach Frauen zu benennen - und dies nun tatsächlich in manchen Orten umgesetzt worden sei. 

Mensing: Umzug nach Lüneburg

Björn Mensing hatte die Stelle in der Versöhnungskirche im Jahr 2005 angetreten. Der Theologe und promovierte Historiker hatte seither mit seinem Team zahlreiche Zeitzeugengespräche, Lesungen und Ausstellungen organisiert und dabei den Blick mehr und mehr auf die Erfahrungen der Nachkommen von NS-Verfolgten gelenkt. Mensing kündigte an, im Ruhestand in seine Heimat nahe Lüneburg zurückzukehren. 

Die Zukunft der Versöhnungskirche sehe er in guten Händen, sagte er im Interview mit Sonntags. Sein Nachfolger wird Pfarrer Michael Lorenz, bislang Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Germering. Lorenz hatte bereits sein Spezialvikariat in Dachau absolviert. Zudem sei die neue zuständige Kirchenrätin im Landeskirchenamt die Theologin Rebecca Scherf, die sich ebenfalls intensiv mit der NS-Geschichte auseinandergesetzt habe. 

Mensing appellierte er an die Evangelische Kirche in Deutschland und die bayerische Landeskirche, die Mittel für die Versöhnungskirche nicht weiter zu reduzieren. Denn die Erinnerungsarbeit könne sonst nicht angemessen und wirkungsvoll geleistet werden.