Der Entertainer Jan Böhmermann erklärte vor kurzem, die Sendung ZDF Magazin Royale nach sechs Jahren zum 18. Dezember zu beenden. In der jüngsten Ausgabe der Show am 2. Oktober widmet er sich dem Thema Rechtsextremismus – und stellt die Kirchen dabei in den Mittelpunkt.
Böhmermann hatte in seinen früheren Shows die Kirchen und Religion oft harsch kritisiert. Religion sei "generell Blödsinn", erklärte er etwa, Menschen müssten nicht auf jede Frage eine Antwort haben und könnten trotzdem glücklich sein. Eine Show hatte er als Persiflage zum Reformationsjubiläum konzipiert ("Luthergate"), ein andermal kritisierte er die kirchlichen Strukturen und Finanzen und die Sonderrechte wie das Eintreiben der Kirchensteuer oder das Arbeitsrecht. In seiner jüngsten Show aber kommen die Kirchen eher gut weg.
"Wir gehen heute in die Show mit Gott, aber flott", sagt Böhmermann und spricht zunächst über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD die relative Mehrheit erhielt. Doch gebe es noch "eine kleine antifaschistische Gruppierung im Osten". Diese sei die "letzte antifaschistische Hoffnung im Osten: die Kirche in Ostdeutschland."
Böhmermann zitiert die Kirchen in Zusammenhang mit einer ganze Reihe von News und Meldungen. Er zeigt Bilder von Meldungen mit Zitaten wie: "Beschluss der Synode: Kein Kirchenamt für AfD-Mitglieder", "Katholische Kirche: Deutsche Bischöfe warnen vor der AfD" oder "Kirche warnt: AfD-Regierung wäre 'kein Spaß'", in anderen Meldungen geht um das Kirchenasyl oder die Finanzierung der Seenotrettung.
Jan Böhmermann und die Kirchen
Böhmermann zückt eine Bibel und sagt: "Ich habe einen Verdacht: Dieses Buch hier ist viel linker als Teile der CDU/CSU bei sheute glauben". Zumindest für die Zeit nach 1945. So sei die Kirche zur "praktizierenden Antifaschistin" geworden. Sehen könne man das in den zahlreichen Einrichtungen, die die Kirche betreibe, von Jugendtreffs bis zur Telefonseelsorge.
Der nächste Satz hat es in sich – er wird in den sozialen Medien inzwischen überall zitiert. Böhmermann sagt: "Jeden Tag leistet die Kirche im Osten antifaschistische Arbeit. Besonders dort, wo sich kaum noch jemand für Demokratie und Menschlichkeit engagiert."
Um seine Thesen zu untermauern, erzählt Böhmermann dann von einem Pfarrer, dem Neonazis die Tür eingetreten hatten. Und von der Arbeit der Evangelischen Akademien. Hier werde diskutiert, offen und demokratisch, und zwar nicht nur über Glauben, sondern auch über aktuelle politische Themen.
Böhmermann kommt immer wieder auf die Politik zu sprechen und übt Kritik an der Kürzung der Mittel. Er sagt: "Es ist die Politik der aktuellen Bundesregierung, die es der AfD extra leicht macht, zivilgesellschaftlich engagierten Initiativen im Osten das Geld zu verweigern. Und darum ist die Kirche im Osten die letzte demokratische Bastion des Widerstandes, besonders auf dem Land. Denn die Kirche hat etwas im Osten Deutschlands, das vor allem Westdeutsche haben: Mittel und Räume, die man ihr nicht so einfach wieder wegnehmen kann."
Und er setzt noch einen drauf: "Mit dem erfolgreichen Kampf gegen autoritäre und demokratiefeindliche Kräfte, mit der Organisation von wirksamem zivilgesellschaftlichem Widerstand kennt sich die Kirche im Osten richtig gut aus", erklärt Böhmermann.
Socialmedia zitiert Böhmermann und Kirchen
Das ZDF-Posting auf Socialmedia, das viral geht, äußert sich noch einmal ganz explizit zu den Kirchen Dort heißt es, AfD würde ostdeutsche Landesparlamente überrennen "wie unsere Urgroßväter Belgien und Frankreich". Und führt fort:
"Und niemand stellt sich der rechtsextremen Invation entgegegen. Niemand? Nein! Es gibt eine antifaschistische Institution, die sich von diesen rechtsgescheitelten Moped-Fetischisten nicht einschüchtern lässt: die Kirche. Unachgiebig backen die Gläubigen furztrockenen Blechkuchen – und betreiben Frauenhäuser, Jugendclubs und kümmern sich um Geflüchtete? Und warum kann die Kirche das? Weil sie Gelder und Räume hat, die man ihr nicht so leicht wegnehmen kann", so Böhmermann.
Das Posting der ZDF-Show wird tausendfach geklickt, es gibt vor allem Lob. "Stabil! - Über diese Sichtbarmachung unseres Wirkens freuen wir uns sehr" postet die evangelische Akademie in Frankfurt auf Linkedin. Viele erinnern an die Rolle der Kirchen während der DDR als Zufluchtsort für Oppositionelle, erinnern an die christlichen Grundwerte wie Nächstenliebe, andere mahnen allerdings die Kirchen, noch politischer zu sein und warnen vor Machtmissbrauch.
Ein Kommentator zitiert Papst Franziskus mit seinem Satz: "Die Bibel ist kein harmloses Buch. Sie ist so gefährlich, dass man in manchen Ländern so tut, als besäße man ein Sprengstofflager." Ein anderer schreibt: "Der Kern von Kirche ist die tief verwurzelte menschliche Suche nach Gemeinschaft und Frieden und Menschlichkeit." Und eine andere kommentiert:
"Zum ersten Mal seit (seeehr) langer Zeit wieder proud auf die Firma!"