FÜRTH, NÜRNBERG (epd). Friedhofscafés sowie Kaffee-Treffs an stillen Tagen zwischen Gräbern gibt es in Bayern mittlerweile fast überall - zum Beispiel das "Cafe Himmelb(l)au" in München, das "GießkannenCafé" in Nürnberg oder das "Café Kränzchen" in Erlangen. Was vor 20 Jahren in Berlin entstanden ist, hat inzwischen viele Freunde und Nachahmer. Offenbar tut ein Kaffeeplausch gerade auf dem Friedhof besonders gut.

Immer der Sonne entgegen, vorbei an den Grabreihen und der Trauerhalle, durch die Stille hindurch und schon ist man da: mitten im Leben. Eine Gesellschaft auf bunten Klappstühlen verbreitet gute Laune, es wird gelacht, gegessen und geplaudert. Willkommen im Fürther Friedhofs-Café, im ersten mobilen seiner Art in Bayern: Seit sechs Jahren veranstaltet Leander Wirth, Projektleiter vom Freiwilligen-Zentrum Fürth, dort jeden Sonntag im Sommer eine Art Kaffeekränzchen. Im schattigen Rondell, unter alten Eichen, gleich neben den Gräbern, sitzen rund 20 Gäste bei Kaffee und Kuchen.

Gesprächsangebot unter freiem Himmel

"Wir wollen Begegnung ermöglichen", sagt Sozialarbeiter Wirth, der hinter der Theke eines Lastenfahrrads steht und gegen eine Spende Kuchen ausgibt. Der ruhige Friedhof böte sich dazu durchaus an: "Hier ticken die Uhren anders", sagt er. Kindern sammeln in der Herbstsonne buntes Laub, Paare gehen spazieren, Trauernde legen Blumen am Grab ab, Vögel zwitschern. Sich genau an dieser Stelle zwanglos zu treffen, mache Sinn. Viele Gäste, ob trauernd, einsam oder alleinstehend, oder eben auch nichts von alledem, kämen gerne vorbei, erzählt Wirth.

Schon steht Günther Krisch, 76 Jahre, sportliche Statur mit Käppi und Sonnenbrille, da. Der geborene Fürther schwärmt: Dass er hier mit allen Generationen ins Gespräch kommen kann, finde er eine "tolle Institution". Jeden Sonntag radele er extra her, esse zwei Stück Kuchen und unterhalte sich, nachdem er das Grab seiner Großeltern gegossen hat. So ein Friedhof dürfe auch ein Ort der Fröhlichkeit sein, ist er überzeugt. "Genieß den Augenblick, denn er kehrt nie zurück", zitiert er und setzt sich wieder zu seinen Gesprächspartnerinnen.

 

  • Freude auf dem Friedhof: Projektleiter Leander Wirth reicht seinen Gästen ein Stück Kuchen. Unter den Gästen des mobilen Friedhofs-Café geht es durchaus fröhlich zu.
  • Freude auf dem Friedhof: Projektleiter Leander Wirth reicht seinen Gästen ein Stück Kuchen. Unter den Gästen des mobilen Friedhofs-Café geht es durchaus fröhlich zu.
  • Freude auf dem Friedhof: Projektleiter Leander Wirth reicht seinen Gästen ein Stück Kuchen. Unter den Gästen des mobilen Friedhofs-Café geht es durchaus fröhlich zu.

    "Ein bisschen wie auf einem Dorfanger"

    Viele Friedhofcafés werden von Kirchengemeinden, Hospizvereinen oder sozialen Trägern organisiert. Eigentlich reiche schon ein Korb mit ein paar Tassen und einer Thermoskanne Kaffee, damit sich etwas entwickele, sagt Ute Steckbeck, die regelmäßig das "GießkannenCafé" in Nürnberg-Mögeldorf mit anderen Ehrenamtlichen der evangelischen Gemeinde betreibt. "Über die Friedhofsmauer schauen, reinstolpern und bleiben", lautet ihre Idee. Sie wolle einen Treff anbieten, "ein bisschen wie auf einem Dorfanger," sagt sie. Und so kommen auch hier alle zwei Wochen meist ältere Menschen zusammen.

    Aber was, wenn der Sommer vorbei ist und der Kaffee schneller kalt wird? In Nürnberg will Steckbeck weitermachen, solange das Wetter hält. In Fürth zieht das mobile Café ins warme Gemeindehaus um. "Da werde ich jetzt auch mal im Winter hingehen", sagt Günther Krisch überzeugt.

    Manchmal setze dieser eine Termin einfach unglaubliche Kräfte frei, weiß Leander Wirth. Er erinnert sich an zwei nette alte Herren, die noch mit über 90 Jahren regelmäßig kamen. Inzwischen sind beide gestorben und hier begraben. Über eine Sache haben sie allerdings nie groß geredet: "Einer hat das Friedhofs-Café in seinem Testament mit Tausend Euro bedacht", sagt Wirth gerührt. Wahrscheinlich, weil es für ihn so wichtig war.