Prädikantinnen und Prädikanten sind ehrenamtlich in einem Kernbereich der bayerischen evangelischen Landeskirche tätig: in der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Sie gestalten die Gottesdienste mit eigener Predigt und können auch Abendmahlsfeiern leiten. Gemeindeleitung oder Kasualien, wie etwa Taufe, Trauung oder Beerdigung, gehören aber nicht zu ihren Aufgaben. Insgesamt gibt es in Bayern laut Gottfried Greiner vom Gottesdienst-Institut rund 900 Prädikantinnen und Prädikanten, 15 bis 20 Prozent der evangelischen Gottesdienste im Freistaat werden bereits von Ehrenamtlichen geleitet und nicht von Pfarrerinnen und Pfarrern.

Für ihre Arbeit müssen angehende Prädikanten offiziell von ihrer Gemeinde vorgeschlagen werden, und sie brauchen eine Ausbildung: Zunächst müssen sie an vier Wochenenden einen biblisch-theologischen Grundkurs besuchen sowie an acht Wochenenden ihre Lektoren-Ausbildung absolvieren. Lektorinnen und Lektoren dürfen ebenfalls Gottesdienste gestalten, sie dürfen aber nicht selbstständig Predigten schreiben oder Sakramente verwalten. Ausgebildete Lektoren können sich dann an weiteren acht Wochenenden zum Prädikanten ausbilden lassen. Das Besondere an ihnen: Sie haben etwa wegen ihrer unterschiedlichen beruflichen Hintergründe einen anderen Erfahrungsschatz, den sie in die Gottesdienste einbringen können, als "klassische" Pfarrer.

Das Amt des Prädikanten ist aus der Not heraus geboren: Weil viele Pfarrer im Zweiten Weltkrieg an die Front mussten und viele von ihnen nach dem Krieg verletzt oder vermisst waren, konnte die Verkündigung nicht aufrecht erhalten werden. Deshalb wurden Freiwillige ausgewählt. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Prädikanten zu einem typischen evangelischen Element der Verkündigung entwickelt. Denn nach evangelischem Verständnis gibt es das "Priestertum aller Gläubigen": jeder Christ ist dazu aufgerufen, das Evangelium weiterzutragen. Auch in Zukunft dürfte die Bedeutung von Prädikanten zunehmen: Denn die Generation der Babyboomer in der bayerischen Pfarrerschaft geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand.