München (epd). Die Träger sozialer Einrichtungen und Dienste in Bayern befürchten, dass wegen gestiegener Preise sich im laufenden Jahr allein die Sachkosten um mindestens 270 Millionen Euro erhöhen. Dieser Anstieg könne, je nach Inflation und Energiepreisen, auch bis zu 624 Millionen Euro betragen, hat der Geschäftsführer der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern, Wilfried Mück, am Donnerstag bei einem Fachgespräch im Sozialausschuss des Landtags vorgerechnet. Insgesamt mache der Sozialsektor jährlich einen Umsatz von 27 Milliarden Euro. 450.000 Menschen seien darin beschäftigt. Zur kurzfristigen Besserung der Lage regte Mück einen Sondertopf an, aus dem soziale Dienste und Einrichtungen schnell und unbürokratisch Gelder abrufen können. Vorbild dafür könne das während der Pandemie geschaffene "Sozialdienstleister-Einsatzgesetz" sein.

"Wir stehen vor einer Krise, die uns alle betrifft", sagte Nicole Schley, Vorsitzende der Freie Wohlfahrtspflege Bayern. Fahrunternehmen könnten eventuell wegen der erhöhten Benzinkosten keine Kranken mehr zur Dialyse fahren oder kein Essen mehr zur Kita liefern. Pflegeheime könnten pleitegehen und alte Menschen nach Hause geschickt werden. Einrichtungen berichteten schon heute, dass sich ihre Kosten für Wäschereien vervielfacht hätten, das aber nicht refinanziert werde, sagte Schley.

Sie bekomme alarmierende Schreiben von Einrichtungen, die befürchten, schließen zu müssen, sagte die Sozialausschussvorsitzende, Doris Rauscher (SPD). "Es gibt Kitas, die überlegen, wie sie weitermachen können, wenn ihnen in diesem Jahr schon 150.000 Euro fehlen". Ebenfalls ein düsteres Bild zeichnete der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Bernhard Seidenath (CSU), der bei der Sitzung als Gast dabei war. Es stehe eine "Katastrophe" bevor, die nicht nur soziale Einrichtungen, sondern auch Kinder- und Jugend-Rehaeinrichtungen und Kliniken treffen werde. Auch der stellvertretende Ausschussvorsitzende Thomas Huber (CSU) befürchtet, dass sich die derzeitige Krise für die Sozialwirtschaft zu einer Katastrophe entwickeln werde. Da weniger Steuereinnahmen zu erwarten seien, rief er allerdings gleichzeitig dazu auf, zu überlegen, wo noch gespart werden könne.