Nürnberg (epd). Energie-Preise sind nicht erst seit den jüngsten Preissteigerungen ein Existenzproblem für einkommensarme Menschen. Wie die Leiterin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) der Stadtmission in Nürnberg, Christine Mürau, betont, kämen etwa 15 Prozent der Ratsuchenden zur KASA, weil sie in Energie-Not stecken. "Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, weil viele Betroffene ja erst dann Beratung suchen, wenn sie sich gar nicht mehr selbst zu helfen wissen", so Mürau in einer Mitteilung der Stadtmission vom Freitag.
Mindestens seit den Hartz-Reformen sei das "ein strukturell verankertes, massenhaftes Problem", erklärte Mürau weiter. In den Regelsätzen der Grundsicherung für Menschen mit sehr niedrigen Einkommen seien nur 38 Euro pro Monat und Singlehaushalt veranschlagt. Davon sollen die Energierechnungen und Instandhaltungskosten der Wohnung finanziert werden. Der reale Bundesdurchschnitt für den monatlichen Energieverbrauch liege im Moment aber bei etwa 48 Euro. Hinzu komme, dass arme Menschen oft sogar einen überdurchschnittlichen Energieverbrauch hätten, weil sie in schlecht isolierten Wohnungen lebten und veraltete, wenig energieeffiziente Geräte zuhause hätten, so die KASA-Leiterin.
Für eine Lösung des Energieproblems für einkommensarme Menschen müsste sich der Regelsatz in der Grundsicherung oder im künftigen Bürgergeld "endlich an der Realität orientieren", forderte Mürau. Schon 2008 hätten über 90 Prozent der von Grundsicherung abhängigen Haushalte als "energiearm" gegolten. Seither seien die Stromkosten in Deutschland nochmal um 47 Prozent gestiegen. Sie forderte, dass die realistischen Energiekosten eines Haushaltes, ebenso wie etwa Miet- und Heizkosten, direkt von den jeweiligen Ämtern übernommen würden. Die Kommunen könnten Abhilfe schaffen, indem kommunale Stromversorger "eine Art Sozial-Stromtarif für alle Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen" anbieten, ähnlich dem Sozialticket für den Öffentlichen Nahverkehr.