München (epd). Der Holocaust-Überlebende Abba Naor (93) ist mit dem ersten Bayerischen Verfassungsorden geehrt worden. Mit unglaublichem Mut und bewundernswerter Ausdauer sei er Stimme der Versöhnung, Vermittlung und Verständigung - und eine mahnende Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung aller Art, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) bei der Übergabe im Bayerischen Landtag laut Mitteilung vom Mittwoch.

Bei der Feierstunde betonte Aigner auch die Verdienste von Abba Naor für die Bayerische Verfassung, die dieses Jahr ihren 75. Geburtstag feiert. Diese sei nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoa ein Gegenentwurf zur "ungeheuerlichen, verheerenden Staats- und Gesellschaftsordnung" der Nationalsozialisten gewesen.

Abba Naor, der heute in Israel lebt, engagiert sich seit rund 30 Jahren als Zeitzeuge für eine Versöhnungskultur, den deutsch-israelischen Austausch und die Erinnerung an den Holocaust. Seit 2017 ist Naor Vizepräsident des Comité International de Dachau, zu dem sich ehemalige Häftling des KZ Dachau zusammengeschlossen haben.

Der Bayerische Verfassungsorden wurde in diesem Jahr erstmals vergeben. Vorgängerin ist die Bayerische Verfassungsmedaille, die ab 1961 für Bürgerinnen und Bürger verliehen wurde, die sich herausragend für das Gemeinwohl engagierten und die Werte der Bayerische Verfassung mit Leben füllten.