Rosenheim (epd). Ob es nun Stolpersteine werden oder doch Stelen, das ist noch nicht klar - aber dass es künftig eine personalisierte Form des Erinnerns an NS-Opfer geben soll im oberbayerischen Rosenheim, darüber ist man sich nun weitgehend einig geworden. Zwar sprachen sich Oberbürgermeister Andreas März (CSU) und Stadtverwaltung bei einer Sitzung am Dienstagabend wie erwartet gegen das Verlegen von Stolpersteinen aus, wie Thomas Nowotny, Sprecher der Initiative Erinnerungskultur, berichtete. Stattdessen plädierten sie aber dafür, sich dem Münchner Modell der "Erinnerungszeichen" anzuschließen.
"Die gute Nachricht ist: Es soll nun auf jeden Fall eine personalisierte Form des Erinnerns auf öffentlichem Grund in Rosenheim geben", sagte Nowotny dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach der Sitzung. Seine Initiative hatte im Juni vergangenen Jahres in der Stadt die ersten sieben Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des NS-Regimes verlegt - allerdings auf Privatgrund, da sich die Stadt nicht an der Aktion beteiligen wollte. Nun brachte ein interfraktioneller Antrag von 16 Stadträten, Stolpersteine auch auf öffentlichem Grund zu befürworten, das Thema erneut auf den Rathaustisch.
Stolpersteine erinnern an NS-Opfer und gelten als größtes dezentrales Mahnmal weltweit. In Bayern gibt es die meisten in Würzburg, München entschied sich gegen sie und nutzt stattdessen Stelen und kleine Metallplaketten an Hauswänden als Erinnerungszeichen. Während Gegner der Stolpersteine häufig argumentieren, Menschen würden auf ihnen "herumtrampeln" und damit das Gedenken "mit Füßen treten", sieht Stolperstein-Befürworter Nowotny das anders: "Indem wir die Namen lesen, senken wir unseren Kopf und verbeugen uns damit vor den Opfern", sagt er.
Doch auch wenn der Stadtrat bei der finalen Abstimmung am kommenden Mittwoch (23. Februar) gegen das Konzept der Stolpersteine votieren sollte, sind die Befürworter froh, dass sich endlich überhaupt etwas bewegt in Sachen Gedenken. "Die Form, wie erinnert wird, ist nicht das Entscheidende", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) Rosenheim, der evangelische Pfarrer Bernd Rother, dem epd. Wichtiger sei, dass überhaupt sichtbare Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Nationalsozialisten Einzug in die Mitte und an zentrale Orte der Stadt nähmen. Und das scheint nun gesichert.
Egal wie die Entscheidung kommende Woche ausgeht: Bereits am 7. März soll es laut Nowotny einen Gedenkakt geben. Werden Stolpersteine erlaubt, will er dann die ersten auf öffentlichem Grund verlegen; sollte es weiterhin keine Stolpersteine geben dürfen, plane er eine öffentliche feierliche "Nichtverlegung".