Passau (epd). Im Bistum Passau sind laut einer Studie Hunderte Kinder von Klerikern missbraucht und misshandelt worden. Mindestens 672 Kinder und Jugendliche seien seit 1945 schweren Übergriffen durch Priester ausgesetzt gewesen, sagte der Leiter der "Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen im Bistum Passau", Marc von Knorring, am Montag in einer online veröffentlichten Stellungnahme. Ermittelt wurden 154 Beschuldigte und Täter. Drei Jahre lang hatte ein Forscherteam an der Universität Passau an der Studie gearbeitet.
Es sei geschehen, "was niemals hätte geschehen dürfen", sagte von Knorring. "Die Opfer leiden ein Leben lang an den Folgen." Die laut Studie 154 Beschuldigten oder überführten Täter seien nicht allein verantwortlich gewesen. Verantwortlich waren nach den Erkenntnissen der Forscher "bestimmte Denk- und Handlungsweisen innerhalb des Systems Kirche". Dies habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass "eine Reihe von Bischöfen und Generalvikaren in zahlreichen Fällen den Schutz der Institution Kirche und der Priesterschaft über das Wohl von Betroffenen stellten".
154 Priester und Ordensgeistliche waren Täter
Mindestens 154 Täter werden laut Studie des Missbrauchs und der Misshandlung beschuldigt, davon waren 123 katholische Priester und 31 Ordensgeistliche. Insgesamt 91 von ihnen wird sexueller Missbrauch, 26 körperliche Gewaltanwendung zur Last gelegt. 37 Kleriker machten sich sowohl der körperlichen Züchtigung als auch des sexuellen Missbrauchs schuldig. 80 Beschuldigte seien dem Bistum Passau seit 2002 bekannt gewesen. Im Rahmen der Studie neu ermittelt wurden demnach 74 Täter.
Seit Herbst 2022 hat ein Forschungsteam der Uni Passau unter Leitung des Historikers Marc von Knorring an einer Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen im Bistum Passau gearbeitet. Ende November wurde die Studie mit dem Titel "Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022" der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, dem Unabhängigen Betroffenenbeirat und dem Passauer Bischof Stefan Oster übergeben. Seit diesem Montag steht die 400 Seiten starke Studie der Öffentlichkeit zur Verfügung.