München (epd). Manche Rückgabe unrechtmäßig erworbener Kunstgegenstände aus der NS-Zeit hat sich wegen der Corona-Pandemie verzögert. Rückgaben seien erschwert gewesen, weil das Reisen in Europa und in die USA nicht gut möglich sei, hat der bayerische Kunstministers Bernd Sibler (CSU) bei der Vorstellung des Berichts zur Provenienzforschung aus dem Jahr 2020 bei einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag berichtet. Er bedaure das, weil die Rückgaben oft Menschen einer Generationen betreffen würden, die noch erlebt hätten, wie brutal damals Enteignungen stattgefunden hätten. "Ich freue mich über jede Restitution von Herzen, weil sie ein Zeichen setzt, dass wir getanes Verbrechen umfassend aufarbeiten", so Sibler. Die Rückgabe habe auch eine emotionale Komponente, denn oft kehre mit den Objekten ein Stück Familiengeschichte zurück.

Übergeben konnte der Freistaat Bayern beispielsweise ein Aquarell des Malers Rudolf von Alt an die Erben des jüdischen Wiener Sammlers Richard Stein, der seinen Bestand wegen seiner Emigration verkaufen musste. Das Bild "Häuser in Teplitz" gelangte in den Haushalt der Nazi-Größe Martin Bormann. In Hermann Görings Empfangshalle hingen drei große Tapisserien des 18. Jahrhunderts aus dem Besitz der Frankfurter Familie Rothschild, die nun die Staatsgemäldesammlungen an Erben zurückgeben konnten.

Der Bericht der Provenienzforschung 2020 zählt 26 Objekte auf, deren Herkunft geklärt werden konnte, darunter sechs Silberobjekte, die jüdische Familien 1939 wegen der NS-Silberabgabe abliefern mussten. 74 Objekte haben die Kooperationspartner des Provenienzforschungsverbunds auf der Homepage www.lostart.de eingestellt, wie der Vorsitzende des Forschungsverbunds, Johannes Gramlich, von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erklärte.

Der Umgang mit Museumsstücken aus der Kolonialzeit wird nach Einschätzung von Kunstminister Sibler in Zukunft eine immer größere Rolle in der Provenienzforschung spielen. Bund, Länder und Kommunen hätten Leitlinien entwickelt, so dass mehr Restitutionen kolonialer Kunst möglich würden. Besonders die Münchner Museen Fünf Kontinente und das Deutsche Museum seien mit dem Thema befasst.

Der Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern (FPB) wurde 2015 gegründet. In ihm sind 23 Archive, Bibliotheken, Museen und Forschungsinstituten vertreten, die ihren Sitz in Bernried, München und Nürnberg haben.