Berlin, München (epd). Einen Tag vor dem fünften Jahrestag des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz kritisiert der Berliner Opferbeauftragte, Roland Weber, den Umgang mit den Hinterbliebenen der 13 Todesopfer. Von Anfang an hätte eine sehr unglückliche Kommunikation mit den Betroffenen stattgefunden, sagte er im Interview mit Bayern 2 am Samstagvormittag laut einer Mitteilung des Bayerischen Rundfunks.
Als Beispiel nannte Weber den Gedenkgottesdienst direkt einen Tag nach dem Anschlag: "Die Opfer hatte man gar nicht berücksichtigt. Es war eine reine Politveranstaltung." Erst in den Folgetagen hätten dann die Hinterbliebenen erfahren, ob ihre Lieben tatsächlich verstorben sind. "Man wusste noch gar nicht, wie viele Verletzte es sind. Man weiß das im Detail bis heute nicht."
Roland Weber begrüßte, dass als Reaktion auf die Tat das Amt des "Beauftragten der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland" geschaffen wurde und es nun zudem 14 Opferbeauftragte in den Bundesländern gebe.
Kritik von den Betroffenen habe es immer am Umgang der Behörden mit ihnen gegeben, so Weber. "Da werbe ich schon seit Jahren, dass die Mitarbeiter sensibel mit Betroffenen von so schwersten Taten umgehen."
Bei dem Anschlag auf den Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 hatte der Attentäter Anis Amri dreizehn Menschen mit einem Lastwagen getötet. Im Oktober 2021 verstarb das 13. Opfer an den Folgen. Anlässlich des Jahrestags wird morgen eine Gedenkveranstaltung in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche unter anderem mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Berlins noch amtierenden Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) stattfinden. Auch der Opferbeauftragte Roland Weber wird dabei sein.