Nürnberg (epd). Der Bund Naturschutz (BN) hat die für Windkrafträder geltende bayerische 10-H-Regel als einen "Affront gegenüber allen Klimaschützerinnen und Klimaschützern" kritisiert. Der BN-Vorsitzende Richard Mergner forderte am Mittwoch, die Regel abzuschaffen und damit die Energiegewinnung durch Windkraft wiederzubeleben. Die Mindestabstandsregelung zu den nächsten Wohnbebauungen würde weder zu mehr Naturschutz noch zu einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung führen, so Mergner. Für eine stabile und nachhaltige Stromversorgung auch im Winter benötige Bayern einen starken Ausbau der Windkraft. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 seien in Bayern aber keine Genehmigungsanträge für neue Windkraftanlagen eingegangen.

Der BN fordert eine Regionalplanung, die "in Einklang mit Mensch und Natur" zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie reservieren sollte. Außerdem brauchten Behörden, Unternehmen und die Zivilgesellschaft klare Kriterien, wie natur- und artenschutzrechtlichen Vorgaben umgesetzt werden können. Diese Kriterien müssten gleich in den Planungsverfahren berücksichtigt werden, damit Vorhaben nicht durch lange Klageprozesse verzögert würden. Auswirkungen auf Mensch und Natur könnten auf ein Mindestmaß reduziert werden, hieß es, zum Beispiel durch eine automatische Abschaltung zu Zeiten von Fledermausflügen oder wenn eine Videokamera große Vögel erkennt.

Weiter fordert der BN eine Erhöhung der sogenannten Südquote. Diese würde Ausschreibungsverfahren in den windärmeren Regionen im Süden Deutschlands benachteiligen, weil hier Windanlagen weniger wirtschaftlich seien. Die Südquote, die derzeit 15 Prozent der Genehmigungen für Bayern und Baden-Württemberg reserviere, sollte auf 20 Prozent erhöht werden. Außerdem will der BN Bürgerinnen und Bürger stärker an den erneuerbaren Energien beteiligen. Windkraftanlagen könnten kooperativ von Genossenschaften, Stadtwerken oder Eigentümergemeinschaften betrieben werden oder die anliegenden Kommunen müssten per Abgabe an den Gewinnen beteiligt werden.