München, Berlin (epd). Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Staatlichen Museen zu Berlin wollen ein multimediales Archiv zur Erinnerung an jüdische Kunstsammler aufbauen. Dieses neue "Archiv der vergessenen Schicksale" soll auf den Provenienzforschungen der beiden Einrichtungen fußen, teilten die Staatsgemäldesammlungen und die Stiftung am Donnerstag gemeinsam mit. Die Mediathek soll Kunstsammlerinnen und -sammler sowie Mäzene jüdischer Herkunft enthalten und in einem dreijährigen Projekt entstehen.
Das Projekt soll den Angaben zufolge die Vielfalt jüdischer Biographien in der deutschen Gesellschaft vor 1933 beleuchten. Stiftungspräsident Hermann Parzinger sagte, jüdische Sammlerinnen und Sammler hätten "dieses Land geprägt, haben Künstlerinnen und Künstler gefördert und den Ruf der Museen geprägt". Man stoße bei der Provenienzforschung immer wieder auf Namen, die keiner mehr kennt, die aber einst für bedeutende Sammlungen standen. Indem deren Lebensgeschichten erzählt werden, "möchten wir viele Namen ins Bewusstsein zurückbringen", erläuterte Parzinger.
Der Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, betonte die Bedeutung der Provenienzforschung über die unmittelbare Prüfung der ursprünglichen Herkunft eines Kunstwerkes hinaus. Es gehe dabei "immer auch um das größere Bild" wie um die "Erforschung von historischen Zusammenhängen, gesellschaftlichen Netzwerken und individuellen Lebensgeschichten", so Maaz.
Seit mehr als 20 Jahren beschäftigten sich Kultureinrichtungen weltweit mit der Aufarbeitung der von den Nationalsozialisten geraubten Kunst. Auch die Einrichtungen der Staatsgemäldesammlungen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz erforschten auf Grundlage der sogenannten Washingtoner Prinzipien "systematisch die Herkunft der Objekte in ihren Sammlungen und suchen nach fairen und gerechten Lösungen mit den Nachkommen der Opfer", hieß es weiter.
Seit 1998 hätten die Staatsgemäldesammlungen 25 Werke aus 17 Sammlungen restituiert, die Stiftung hat seit 1999 mehr als 50 Restitutionsbegehren bearbeitet und mehr als 350 Kunstwerke und rund 2.000 Bücher an die Berechtigten zurückgegeben. Darunter waren zum Beispiel eine Zeichnung von Vincent van Gogh, Arbeiten von Munch und "Der Watzmann" von Caspar David Friedrich.