München (epd). Die Grünen-Landtagsfraktion fordert den im Zuge des Münchner Missbrauchsgutachtens schwer in die Kritik geratenen katholischen Prälaten Lorenz Wolf zum Rücktritt von all seinen öffentlichen Ämtern und Mandaten auf. Man sehe "keine gemeinsame Grundlage für eine weiterhin funktionierende und vertrauensvolle Zusammenarbeit", schreiben die Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann in einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief.

Dass Prälat Wolf seine Ämter einfach nur ruhen lassen wolle, sei zu wenig, sagte Hartmann. "Wenn er echte Verantwortung übernehmen will, dann muss er von all seinen Ämtern zurücktreten, und zwar sofort und dauerhaft". Er könne auch nur den Kopf darüber schütteln, dass Prälat Wolf die Legitimität des Gutachtens immer noch in Frage stelle.

Konkret benennen Schulze und Hartmann Wolfs Ämter etwa im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) - dessen Vorsitzender Wolf ist -, im Beirat der Akademie für Politische Bildung Tutzing, im Kuratorium der Hochschule für Philosophie in München, im Landesplanungsbeirat bayerischen Wirtschaftsministerium oder im Vorstand der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern. Auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Wolf als Leiter des Katholischen Büros Bayern - und damit als zentrale Ansprechperson für politische Belange, die die bayerischen Erzbistümer und Bistümer betreffen - sei für Schulze und Hartmann "aktuell nicht mehr vorstellbar".

Lorenz Wolf ist einer der mächtigsten katholischen Kirchenvertreter in Bayern. Neben seinen zahlreichen außerkirchlichen Funktionen ist er Offizial im Erzbistum München, also oberster Kirchenrichter, und Domdekan. Dem am 20. Januar veröffentlichen unabhängigen Gutachten der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl zufolge soll Wolf in seinen Ämtern und Funktionen in mehreren Fällen wesentlich dazu beigetragen haben, Missbrauchsdelikte im Erzbistum München und Freising zu vertuschen und zu verharmlosen.

Ende Januar wurde bekannt, dass Wolf alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lässt, einen Rücktritt hat er bislang nicht eingereicht oder angeboten. Anfang Februar bat Wolf dann im BR-Rundfunkrat "aus tiefsten Herzen" um Verzeihung. Er schäme sich dafür, Schuld auf sich geladen zu haben. Zugleich verteidigte sich Wolf gegen die ihn im Gutachten erhobenen Vorwürfe. Er habe sehr wohl an der Erstellung des Gutachtens mitgewirkt und Fragen "zu 20 Fällen" auf rund 140 Seiten beantwortet. Wolf stellte aber auch klar, dass er sich von den Gutachtern in dieser Form zu Unrecht kritisiert fühlt.