München (epd). Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnt vor einer zu starken Einflussnahme von Finanzinvestoren auf die Gesundheitsversorgung. Immer mehr Investoren würden in medizinische Versorgungszentren (MVZ) einsteigen, sagte er am Donnerstag laut Mitteilung beim gesundheitspolitischen Forum der Techniker Krankenkasse (TK) in München. Ein ausgewogener Mix zwischen Einzelpraxen und Versorgungszentren sei sicher sinnvoll, betonte er: "Die Wahrheit ist aber auch: Was bei den investorengetragenen MVZ passiert, ist eine völlige Fehlentwicklung!"
Holetschek mahnte, bei solchen Modellen stünden "klar die finanziellen Interessen der Investoren im Mittelpunkt und nicht die flächendeckende Versorgung der Menschen". Fremdinvestoren mit reinen Kapitalinteressen gefährdeten die Qualität des Gesundheitssystems: "Wir müssen die Folgen für die medizinische Versorgung unserer Bevölkerung genau beobachten - und kritisch begleiten." Er forderte von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), zeitnah einen Gesetzesentwurf vorzulegen und mit den Ländern abzustimmen. Man dürfe dieses Thema "nicht auf die lange Bank schieben", sagte er.
Bereits seit Monaten mahnt auch die Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) diese Entwicklung an. Die Politik habe der Entwicklung zu lange tatenlos zugesehen, sagte der KVB-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krombholz bereits Anfang Juni dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Juristen dürfen in ihren Kanzleien aus Gründen der Unabhängigkeit auch kein 'Fremdkapital' wirken lassen - ich frage mich, weshalb das bei Arztpraxen anders sein sollte?" Das Problem seien die enormen Rendite-Erwartungen: "Investoren versprechen Teilhabern bis zu 18 Prozent Gewinn."
Oberstes Ziel sei also die Gewinnmaximierung in einer Praxis - nicht die angemessene Behandlung von Patienten, beklagte der KVB-Vorstandschef bereits vor Wochen. "Es wird also teilweise nicht die Behandlung gemacht, die nötig oder sinnvoll ist, sondern das, was Geld bringt." Gutachten hätten gezeigt, dass vor allem bei MVZ in der Hand von Finanzinvestoren zur Gewinnmaximierung mehr Arztleistungen als in anderen Praxisformen abgerechnet wurden. Die Politik müsse sicherstellen, dass immer Ärzte und nicht Investoren die Mehrheit an MVZ und Praxen halten müssen.
Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums sind derzeit noch 58 Prozent aller Praxen in Deutschland als klassische Einzelpraxis organisiert. Die Zahl der MVZ und investorengetragenen MVZ steige aber stetig.