München (epd). Die internationale Nagelkreuzgemeinschaft trägt dem Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx zufolge "beispielhaft zur Versöhnung, zum Frieden und zur Überwindung von Hass und Konflikten bei". Mit ihrer "in christlicher Gemeinschaft gelebten Verschiedenheit" sei sie ein Vorbild für die gesamte Gesellschaft, sagte Marx am Freitag bei einem Friedensgebet in der St. Barbarakirche in München. Am Samstag (11. Dezember) erhält die Gemeinschaft bei einer Online-Veranstaltung den mit 10.000 Euro dotierten Ökumenischen Preis der Katholischen Akademie Bayern.
Die Nagelkreuzgemeinschaft, die kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im englischen Coventry gegründet wurde, erhalte "gerade auch im Gebet und in der Liturgie" die Erinnerung lebendig und trage zugleich dazu bei "in ökumenischer Gemeinschaft Wunden der Geschichte zu heilen", sagte Marx. Der Ökumenische Preis der Katholischen Akademie in Bayern wird seit dem Jahr 1995 vergeben. Zu den Trägern der Auszeichnung gehören der frühere Bundesaußenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Marx gemeinsam mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Am 14. November 1940 zerstörten Bomber aus Nazi-Deutschland die mittelenglische Stadt Coventry beinahe komplett. Weite Teile der Innenstadt und auch die Kathedrale versanken in Schutt und Asche. Wenige Wochen danach rief der damalige Dompropst Richard Howard in den Trümmern der Kathedrale zur Versöhnung mit den Deutschen auf. Als Zeichen der Versöhnung wurden aus Zimmermannsnägeln des niedergebrannten Kathedral-Dachstuhls markante Kreuze geschmiedet und weltweit an Orte der Versöhnung verliehen. Von Anfang an hatte die englische Initiative eine ökumenische Dimension.
Die Verleihung des Ökumenischen Preis der Katholischen Akademie Bayern an die Nagelkreuzgemeinschaft sollte eigentlich im 80. Jahr nach der Zerstörung der Kathedrale - also 2020 - stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie musste dies aber verschoben werden. Nun findet die Veranstaltung wegen der anhaltenden Pandemie ohne Publikum im digitalen Raum statt. Sie kann per Livestream verfolgt werden.