Kassel (epd). Das indonesische Künstlerkollektiv Taring Padi hat sich für antisemitische Motive auf seinem Banner "People’s Justice" entschuldigt, das einen Skandal auf der documenta in Kassel ausgelöst hat. Im Interview mit der "Zeit" räumten die zu der Gruppe gehörenden Künstler Fitri Dwi Kurniasih, Muhammad Yusuf, Sri Maryanto und Alexander Supartono einen Fehler ein: "Wir entschuldigen uns dafür. Auch für die Verletzungen, die diese Karikaturen angerichtet haben."
Das Kunstwerk, das inzwischen abgehängt wurde, zeigt rund hundert Figuren, darunter einen orthodoxen Juden mit Raffzähnen und SS-Symbol auf dem Hut sowie einen Uniformierten mit Schweinerüssel und der Aufschrift "Mossad" auf dem Helm. Das fragliche Werk sei vor 20 Jahren in einem Prozess kollektiver Arbeit entstanden, erläuterten die Künstler. Dabei sei es auch um die Unterstützung westlicher Demokratien, darunter Israel, für den Aufstieg der indonesischen Militärdiktatur unter Suharto gegangen.
Unter anderem habe man die Unterstützung durch Israel deutlich machen wollen, führten die Künstler aus.
"Wir haben dabei einen Fehler begangen: Anstatt den israelischen Sicherheitsapparat zu zeigen, malten wir eine Figur, die an eine Karikatur der Nazis erinnert."
Das Kollektiv habe damals nicht begriffen, dass es sich um antisemitische Darstellungen handele: "Wir wussten kaum etwas darüber", erklärten die Künstler.
"Wir hatten in der Schule etwas über den Holocaust und die Nazi-Herrschaft gelernt, aber nichts zum Antisemitismus an sich."
Zugleich betonten sie: "Wir hätten nicht so nachlässig sein dürfen. Wir hätten einfühlsamer, umsichtiger sein müssen." Im Rückblick stelle sich heraus, dass es keine Kontrolle gegeben habe, was die Beteiligten gemalt hätten.
"Das soll nichts entschuldigen, ein Fehler bleibt ein Fehler."
Das Kunstwerk des Kollektivs, das insgesamt mehr als ein Dutzend Mitglieder zählt, war wenige Tagen nach dem Start der documenta im Juni abgebaut worden. Zuvor hatte es schon seit Monaten Antisemitismus-Vorwürfe gegen die documenta-Kuratoren des indonesischen KollektivsRuangrupa gegeben. Nun will die documenta mit Unterstützung externer Experten alle Werke der Ausstellung auf judenfeindliche Inhalte untersuchen lassen.