Nürnberg, München (epd). Alarmstimmung bei einigen Kita-Eltern in Bayern: Weil sich vielerorts der Personalmangel weiter verschärft hat, könnten manche Krippen- oder Kindergartengruppen zum Start des neuen Kita-Jahres im September gar nicht oder nur mit gekürzten Betreuungszeiten öffnen. Der Evangelische Kita-Verband Bayern (ev-Kita) und der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern gehen davon aus, dass bereits gegebene Platzzusagen auch eingehalten werden - doch wer kurzfristig anderswo einen Kita-Platz oder längere Betreuungszeiten braucht, hat eventuell Pech.
Der Kita-Personalmangel hat sich nach Einschätzung von ev-Kita-Vorständin Christiane Münderlein inzwischen von den Ballungsräumen übers ganze Land ausgebreitet. Die Situation verschärfe sich "von Jahr zu Jahr" und betreffe neben Kitas auch die Betreuung von Grundschulkindern. Der Mangel an Personal habe aber nichts mit mangelnder Attraktivität des Berufsfeldes zu tun: "Das Gegenteil ist der Fall." Es gebe viel mehr pädagogische Fachkräfte als vor 15 Jahren. Der Personalbestand habe sich in diesem Zeitraum beinahe verdoppelt. Allerdings steige auch der Bedarf kontinuierlich.
Das bestätigt auch Alexa Glawogger-Feucht, die Geschäftsführerin des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. "Die Nachfrage von Eltern in Bayern nach institutioneller Bildung, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder - und zwar vom Kleinkindalter bis ins Grundschulalter hinein - ist deutlich gestiegen", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Und ev-Kita-Vorständin Münderlein ergänzt: "Wir erleben seit Mitte der 2000er-Jahre einen Paradigmenwechsel in der Kleinkindbetreuung." Immer mehr Kinder besuchten Krippen und Kindergärten - und die Buchungszeiten würden immer länger.
Die bayerische Staatsregierung, die Verbände und Kita-Träger bemühten sich seit Jahren, den Bedarf zu decken - aber der Personalmangel in den Kitas sei nicht nur ein Fachkräfteproblem. "Zur Wahrheit gehört auch: Viele Branchen suchen händeringend nach Personal und Nachwuchs", sagte Münderlein: "Die Kleinkindbetreuung ist einer der wenigen Bereichen, in dem es nennenswerten Personalzuwachs gibt." Die demografische Entwicklung tue ihr Übriges. "Man kann der Regierung in puncto Ausbildungskapazitäten nur eines vorwerfen: Dass sie die Zahl der pädagogischen Studienplätze nicht mit mehr Nachdruck ausgebaut hat."
Auch diesen Punkt kritisiert Glawogger-Feucht: "Dass es für diese Studiengänge immer noch eine Zulassungsbeschränkung gibt und somit junge Menschen davon abgehalten werden, eine Ausbildung in diesem Berufsfeld zu machen, ist nicht nachvollziehbar." Die Geschäftsführerin sagt auch, dass in anderen Bereichen "noch Luft nach oben" wäre, etwa bei der Finanzierung von Nachqualifizierungen, Quereinsteiger-Programmen und der Freistellung von Leitungen. Hier sei die Staatsregierung gefragt: "Zugleich muss die gesellschaftliche Wertschätzung für die pädagogischen Berufe steigen."
Die Bertelsmann-Stiftung hatte erst vor wenigen Tagen in ihrem Fachkräfte-Radar für Kitas und die Betreuung von Grundschülern einen Bedarf bis 2030 alleine in Bayern von bis zu 67.000 zusätzlichen Fachkräften ermittelt. Dieser Fachkräftebedarf sei bis dahin nicht zu decken, urteilte die Stiftung. Der enorme Bedarf kommt auch durch den 2026 schrittweise greifenden Rechtsanspruch der Eltern für eine Betreuung von Grundschulkindern zustande. "Das wirft schon heute seine Schatten voraus", sagt dazu Glawogger-Feucht: "Die Verbände tun aber alles, damit es bis 2026 doch noch klappt."