Kaufbeuren (epd). Nach monatelanger Vakanz könnte die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren bald einen neuen Kantor oder eine neue Kantorin bekommen. Die Stelle ist im Oktober-Amtsblatt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und auf der Homepage der Kirchengemeinde ausgeschrieben. Gesucht werde eine Persönlichkeit, "die Bewährtes weiterführt, neue musikalische Impulse setzt und das vielfältige kirchenmusikalische Leben in Gemeinde und Region mitgestaltet", heißt es auf der Gemeinde-Homepage. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober. Am 16. November sollen die Personen, die sich in der engeren Auswahl befinden, in Kaufbeuren vorgestellt werden.
Die lange Vakanz ist entstanden, weil die Landeskirche dem ehemaligen Kantor Frank Oidtmann im August 2025 in der Probezeit überraschend gekündigt hatte. Über die Gründe, die zur Kündigung führten, schwieg die Landeskirche. Später stellten sich zwischenmenschliche Differenzen zwischen ihm und den Hauptamtlichen heraus. Oidtmann klagte gegen seine Kündigung und bekam im April vorm Arbeitsgericht Recht. Die Kündigung sei wegen Formfehlern unwirksam, urteilte das Gericht. Die Landeskirche schloss eine Rückkehr Oidtmanns nach Kaufbeuren mit Verweis auf eine im Arbeitsvertrag enthaltene Versetzungsklausel aus und kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.
Der Fall hatte überregional Wellen geschlagen: zum einen, weil die Kaufbeurer Kantorei ein hochangesehener Laienchor ist und Oidtmann ein bundesweit hochangesehener Kirchenmusiker, dem von allen Seiten herausragende musikalische Kompetenz attestiert wird. Zum anderen, weil viele Mitglieder über Monate hinweg vehement für eine Rückkehr Oidtmanns gekämpft haben, unter anderem mit einer Unterschriftenaktion und Briefen an die Kirchenleitung. Mitglieder der Kantorei warfen der Kirche vor, Oidtmann über ihren Kopf hinweg und gegen ihren Willen aus undurchsichtigen Gründen gekündigt zu haben. Die kirchlichen Hauptamtlichen hingegen beklagten einen Shitstorm, der seit der Kündigung auf sie eingehe.
Regionalbischof: Rechtsstreit hat kirchenmusikalische Lücke hinterlassen
Der Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Thomas Prieto Peral, schreibt im aktuellen Gemeindebrief, dass die Kirchenleitung den Unmut vernommen und in ihre Überlegungen einbezogen habe. Er könne verstehen, dass der Rechtsstreit der Landeskirche mit dem früheren Kantor viele frustriert habe. Die juristische Auseinandersetzung habe eine kirchenmusikalische Lücke hinterlassen, die wieder geschlossen werden soll. Inzwischen sei es möglich, den "laufenden arbeitsrechtlichen Prozess und die Weiterarbeit an der Zukunft der Kirchenmusik in Kaufbeuren voneinander zu trennen". Der Kirchenmusik in der Gemeinde Kaufbeuren müsse wieder der Stellenwert gegeben werden, den sie immer gehabt habe.
Laut Stellenausschreibung wird eine Person mit ausgezeichneter Organistenerfahrung gesucht. Der oder die Neue sollte aber auch anderen Musikern ermöglichen, das kirchenmusikalische Angebot der Dreifaltigkeitskirche zu bereichern, heißt es. Das Team freue sich auf eine Person, die kontaktfreudig, teamfähig und organisatorisch versiert sei. Die Stelle soll baldmöglichst besetzt werden. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Leitung der Kantorei mit Gestaltung von großen Konzerten, Oratorienaufführungen und Kantatengottesdiensten. Der kirchenmusikalische Dienst umfasst zu 75 Prozent die Kirchengemeinde Kaufbeuren sowie zu 25 Prozent den Dekanatsbezirk Kempten/Ostallgäu.