Nürnberg (epd). Der Tod ist im Islam ein Geschenk, das dem Gläubigen die Rückkehr zu Allah ermögliche. Bei der jährlich stattfindenden Nürnberger Islamwoche, hat der Sprecher der Begegnungsstätte Medina, Ali-Nihat Koc, in einem Online-Vortrag Tod und Jenseitsvorstellungen im Islam erklärt. "Der Tod ist der gemeinsame Nenner aller Religionen", sagte Koc. Im Islam erhielten am Tag des Jüngsten Gerichts die Seelen einen neuen Körper, um in Allahs Angesicht auf ewig im Paradies zu leben. Im Islam komme dem Tod ein wichtiger Stellenwert zu. Der mittelalterliche Mystiker Rumi habe seinen Tod als einen "Hochzeitstag" angesehen, der zur Veredelung des Menschen führe.

Doch gäbe es auch Bedingungen. "Der Tod macht uns unsere besondere Verantwortung bewusst", erklärte Koc. Als Statthalter Allahs müsse der Mensch verantwortungsvoll mit der Welt umgehen. Geprüft werde das ethische Verhalten der Seele an verschiedenen Toren, an deren Ende die Begegnung mit Allah stehe. Neben den fünf Säulen des Islam seien Respekt gegenüber den Eltern, Hilfe für Waisen und das Eintreten gegen Unrecht wichtige Kriterien, um diese moralische Prüfung zu bestehen, sagte Koc. Allerdings sollte ein ethisches Leben nicht aus dem Wunsch nach Belohnung oder der Angst vor Bestrafung erfolgen.

Das Paradies sei im Islam ein Ort mit Flüssen, immerwährenden Früchten und Schatten. Von Allah geschaffene Bedienstete sorgten für ein Leben ohne Anstrengung und Mühsal. Nicht-Muslimen sei der Weg ins Paradies verwehrt, da sie Mohammed nicht als den Propheten Allahs erkannten. Nach einer Erzählung habe der Prophet einem verstorbenen Juden jedoch Ehre erwiesen, da dieser ein Mensch war.