Regensburg (epd). Eine gute Beziehung zu den Großeltern kann Kindern Sicherheit geben, ihre Entwicklung fördern und bei der Bewältigung von Krisen helfen. Eine tragfähige Beziehung zu mehreren Bezugspersonen könne Kindern unterschiedliche Perspektiven vermitteln und ihre Widerstandsfähigkeit stärken, erklären die Regensburger Bindungsforscher Klaus Grossmann (91) und Karin Grossmann (83) im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Alle Kinder seien von Geburt an darauf vorbereitet, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und von Erwachsenen zu lernen. "Das Kind kommt evolutionsbiologisch vorbereitet auf die Kultur zur Welt", sagte Klaus Grossmann. Kinder verfügten von Anfang an über Signale wie Schreien, um die Aufmerksamkeit von Erwachsenen zu gewinnen. Entscheidend sei die Feinfühligkeit der Bezugspersonen.

Wenn darauf richtig reagiert werde, entstehe beim Kind laut Karin Grossmann das Gefühl: "Ich werde gehört. Ich werde wahrgenommen." Diese Erkenntnisse ließen sich auch auf Großeltern übertragen. Eine tragfähige Beziehung zu ihnen könne eine zusätzliche Absicherung der kindlichen Entwicklung bedeuten. Großeltern könnten Eltern entlasten und hätten häufig mehr Zeit und Geduld für die Enkel.

Großeltern als Anker bei Trennungen

Besonders in Krisen könne eine solche Beziehung wichtig sein. Als Beispiel nannten die Forscher die Trennung der Eltern. Nicht die Scheidung selbst sei entscheidend für spätere Probleme, sondern vor allem die Qualität der Konflikte zwischen den Erwachsenen. Wenn Eltern in einem schweren Konflikt stehen, könnten Großeltern für das Kind eine zusätzliche Quelle von Sicherheit sein.

Eine gute Beziehung zu mehreren Bezugspersonen könne die Resilienz fördern, sagte Karin Grossmann. Kinder erhielten dadurch mehr Sichtweisen und mehr Möglichkeiten, ihre Gefühle und Erlebnisse einzuordnen. Eine Großelternbeziehung müsse dabei nicht zwingend biologisch begründet sein. Entscheidend sei, dass eine verlässliche und tragfähige Beziehung entstehe.