Bad Füssing, Passau (epd). Der Passauer evangelische Dekan Jochen Wilde hat die Menschen dazu aufgefordert, sich öfter Gedanken über ihre Beziehungen zu machen. "Was kann besser werden, was muss anders werden im gesellschaftlichen Miteinander und im Verhältnis zum Mitmenschen", fragte der Dekan am Sonntag beim Kunstgottesdienst in der Christuskirche in Bad Füssing laut Predigttext.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Holzskulptur "Lichtblick" des Bildhauers Andreas Kuhnlein. Der dort dargestellte Mensch hat den Mund weit geöffnet, als wolle er "seinen Schmerz, sein Leid und Entsetzen herausschreien", sagte Wilde. Viele Christen schauten in diesen Tagen entsetzt und verzweifelt auf das Kreuz, wenn sie "an die stummen und ungehörten Schreie der Opfer sexuellen Missbrauchs" dächten, so der Dekan.

Damals habe die Kirche alles lieber im Dunkeln halten wollen, "als das kirchliche Vertuschungs- und Unterdrückungssystem noch gnadenlos funktioniert hat". Aber mit der Aufdeckung komme auch die Hoffnung. So halte sich die Skulptur die Hand vor Augen, so als würde sie von etwas geblendet, und schreite voran und verharre nicht. So werde der "Lichtblick" zu einer Art Hoffnungsträger, sagte Wilde. "Ohne Lichtblicke können wir nicht leben."

Auch im Dekanat Landshut fand ein Kunstgottesdienst unter dem Motto "Hoffnung, Leben, Licht" stand. Dort präsentierte der Münchner Künstler Manfred Mayerle sein Werk. Die bayernweit vielerirts stattfindenden Künstler-Gottesdienste wurden vergangenes Jahr ins Leben gerufen. Sie sind Teil einer Initiative der Landeskirche zur Unterstützung von Kunstschaffenden in der Corona-Krise.