Regensburg (epd). Der Regensburger katholische Bischof Rudolf Voderholzer hat sich in der Missbrauchsdebatte zu Wort gemeldet. Der sexuelle Missbrauch sei nicht für die Krise der katholischen Kirche verantwortlich, sondern ein "gewaltiger Erosionsprozess des Glaubens", sagte Voderholzer am Montag laut Mitteilung. Zwar müsse die Kirche Missstände beheben und ihre eigene Schuld erkennen, unterstrich er. Zugleich forderte er jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung für alle Opfer.
"Eine ernst gemeinte Aufarbeitung von Missbrauch könne nicht bei kirchlichen Fällen Halt machen", sagte er und verwies auf die Zahlen gewalttätiger Sexualität. So habe die deutsche Kriminalstatistik seinen Angaben zufolge allein 80.000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2020 aufgeführt.
So sehr sich die Kirche ihrer Schuld stellen müsse, "so wenig taugt sie zum Sündenbock, auf dem man einen in allen gesellschaftlichen Bereichen wuchernden Missbrauch ablädt", sagte Voderholzer weiter und forderte einen Institutionenvergleich der Maßnahmen zur Aufarbeitung, beispielweise in Schulen oder beim Sport. "Da ist die Kirche doch meilenweit voraus."
Die Missbrauchsaufarbeitung in der Kirche ist laut Voderholzer nicht die Antwort auf die massive Glaubenserosion. Die Ansätze des Synodalen Weges seien "reformuntauglich", erklärte er. Der Missbrauch werde "instrumentalisiert, um Rezepte anzudienen, die sich längst als untauglich erwiesen haben".
Ein externes Gutachten zu den Missbrauchsfällen im katholischen Erzbistum München und Freising hatte in der vergangenen Woche Hinweise auf mindestens 497 Betroffene sexualisierter Gewalt gefunden. Beim dem Gutachten wurden Missbrauchsfälle aus den Jahren 1945 bis 2019 untersucht, um Hinweise auf systemische Ursachen und Verantwortlichkeiten in der Leitung des Erzbistums zu finden. Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. werden vier Fälle von Fehlverhalten vorgeworfen, als er von 1977 bis 1982 Münchner Erzbischof war.