Nürnberg (epd). Kontakte mit Menschen aus Russland sind nach Ansicht des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm gerade jetzt wichtig. Ob es Chöre, Orchester, der Sport, die Kunst, Städtepartnerschaften oder die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen sei: gerade jetzt sollten Brücken bewahrt oder sogar gestärkt werden, sagte er in seiner Predigt beim Festgottesdienst zum bayerischen evangelischen Landesposaunentag laut Redemanuskript am Sonntagmittag. "Wie anders als durch persönliche und zivilgesellschaftliche Beziehungen könnten wir die Vernebelung der Wahrheit durch Propaganda durchbrechen und zu Wegen der Versöhnung kommen?", fragte er.
Musik sei ein Hinweis auf die Kräfte der Versöhnung, die nicht auf Gewalt angewiesen sind. "Die Musik schafft Gemeinschaft, die zur Brücke zwischen den Fronten werden kann", so Bedford-Strohm. Chorkonzerte mit Chören aus der Ukraine seien Ausdruck der Solidarität mit den Menschen dort, die so viel Leid erfahren würden. Aber Bedford-Strohm sagte auch, als die Israeliten mit ihren Posaunen um Jericho gezogen seien, seien die Mauern der Stadt eingefallen. "So einfach wird es nicht sein, den Krieg zu beenden."
Der Landesposaunentag, zu dem seit Freitagabend über 3.000 Bläserinnen und Bläser nach Nürnberg gekommen waren, stand unter dem Motto "Um Himmels willen!". Die Mitglieder der Posaunenchöre würden "um Himmels willen" musizieren, so der Landesbischof. In der Gemeinschaft des Posaunenchors spürten sie, "dass Christus da ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind". Sie würden auch in schwierigen Zeiten zu ihrer Kirche halten, sie vielleicht sogar lieben und dieser Kirche ihre Zeit und ihr Engagement schenken.
Der Verband der evangelischen Chöre (VEP) feiert mit dem Landesposaunentag sein 101-jähriges Bestehen. In der evangelischen Landeskirche gibt es ungefähr 900 Chöre. Am Samstagnachmittag stieg zum Jubiläum die Geburtstagsparty im Zentrum Nürnbergs. Am Sonntag fand der Festgottesdienst auf dem Hauptmarkt statt. Dort sprachen auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Marcus König (CSU), Grußworte.