Ulm (epd). Das Museum Ulm will den emotionalen Streit um die schwarze Krippenfigur, die von 1992 bis 2019 jährlich im Ulmer Münster zu sehen war, versachlichen. Die Ausstellung mit dem Titel "Wir müssen reden - Die Münster-Krippe im Meinungsstreit" ist von 19. Februar bis 19. Juni zu sehen, wie das Museum am Mittwoch mitteilte. Die Ausstellung wolle die Münster-Krippenfiguren des Ulmer Bildhauers Martin Scheible (1873 - 1954) künstlerisch einordnen und über den Alltagsrassismus zu Lebzeiten des Künstlers aufklären.
Der Streit um den schwarzen König Melchior hatte bundesweit Wellen geschlagen. Zu Weihnachten 2020 wurde daher die Krippe im Ulmer Münster erstmals ohne Könige gezeigt. Der schwarze König Melchior ist im Volksmund auch als Brezelkönig bekannt, denn er bringt dem neugeborenen Kind als Geschenk eine Brezel.
Die Familie des Künstlers hatte die Krippe 1992 dem Ulmer Münster übergeben. Ein Vertrag regelte, dass die Krippe jedes Jahr als komplettes Ensemble im Münster aufgestellt werde. Scheible hat den schwarzen König mit wulstigen Lippen und Goldreifen an Knöchel und Ohr dargestellt. Auch andere Figuren sehen skurril aus, ein Hirte trägt Cowboystiefel. Was der Künstler damit ausdrücken wollte, ist heute nur schwer nachvollziehen. Die Vermutung ist, dass er lebendige Vorbilder nahm und sie überzogen dargestellt hat.
Das Museum Ulm bearbeitet in seiner Ausstellung eine ganze Reihe von Fragen: Wie werden die drei Weisen aus dem Morgenland in der Kunstgeschichte dargestellt? Warum hat Scheible dem König diese Merkmale gegeben? Welchen rassistischen Stereotypen entsprechen sie? Wann und warum haben sich diese Stereotype entwickelt? Wie wirken koloniale Strukturen bis heute nach?
Mit der Ausstellung will das Museum Ulm in einen Diskurs mit Fachwissenschaftlern, Künstlern und anderen betroffenen Bevölkerungsgruppen einsteigen. Es möchte "zu mehr Sensibilität im Umgang miteinander in einer diversen Gesellschaft" aufrufen.