München, Berlin (epd). Die Zusammenlegung mehrerer Sozialleistungen kann den Betroffenen einer Untersuchung zufolge Vorteile bringen - unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn Grundsicherung, Wohngeld und Kinderzuschlag verschmolzen würden, könne dies das Einkommen von Menschen mit wenig Geld erhöhen und die Zahl der armutsgefährdeten Menschen senken, heißt es in einer am Mittwoch vorgestellten Analyse des ifo Instituts für den AWO Bundesverband. Gleichzeitig würden mehr Menschen in Arbeit gebracht.

Damit das klappe, seien insbesondere Arbeitsanreize und Erleichterungen für Alleinerziehende nötig, sagte AWO-Referent Lukas Hochscheidt in Berlin. Die AWO schlägt einen "Erwerbsbooster" vor - eine Extra-Zahlung von 100 Euro für jede Person im Haushalt, die ein Erwerbseinkommen oberhalb der Minijob-Grenze hat. Für Alleinerziehende soll es einen zusätzlichen Freibetrag bei der Anrechnung von Erwerbseinkommen auf die neue Sozialleistung geben.

5,4 Milliarden Euro mehr im Jahr

In den unteren Einkommensschichten könnte das verfügbare Haushaltseinkommen den Berechnungen zufolge um durchschnittlich 149 Euro im Jahr steigern. Die Quote der Menschen in Deutschland, die als armutsgefährdet eingestuft werden - zuletzt rund 16 Prozent -, könnte demnach um 0,9 Prozentpunkte sinken. Maximilian Blömer vom ifo Zentrum für Finanzwissenschaft wies zudem darauf hin, dass die neuen Erwerbsanreize zu mehr Arbeitsstunden und weniger Arbeitslosigkeit führen dürften.

Im Vergleich zum heutigen System würde das AWO-Konzept den Staat etwa 5,4 Milliarden Euro im Jahr zusätzlich kosten. Hochscheidt betonte, die AWO leugne die finanziellen Schwierigkeiten nicht, insbesondere in den Kommunen. Allerdings müssten sich Sozialreformen in erster Linie daran orientieren, "das Leben der Menschen besser zu machen".

Eine Zusammenlegung von Grundsicherung (früher Bürgergeld), Wohngeld und Kinderzuschlag war im Januar auch von der Sozialstaatskommission vorgeschlagen worden. Die Regierung will deren Empfehlungen zügig umsetzen.