ADS und ADHS sind psychiatrische Störungen. Häufig wird behauptet, die Störung werde zu häufig diagnostiziert oder wachse sich im Lauf des Lebens aus. Beides stimmt so nicht.

1. Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?

ADS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitstörung und ist eine Reizfilterschwäche. Betroffene haben es schwer, Reize nach Relevanz zu ordnen und gegebenenfalls zu ignorieren. Sie sind leicht ablenkbar, impulsiv und haben es schwerer als andere, sich zu konzentrieren. Bei ADHS kommt ein gesteigerter körperlicher Bewegungsdrang hinzu, das H steht für Hyperaktivität.

2. Welche Ursachen hat ADHS?

ADS und ADHS gehören nach heutigem Kenntnisstand zu den psychiatrischen Störungen mit den höchsten Anteilen an genetischen Ursachen. Genetisch bedingt kommt es zu Veränderungen bei Neurotransmittern, also Botenstoffen im Nervensystem. Daneben können Umwelteinflüsse, etwa während der Schwangerschaft oder in der Familie während der Kindheit, das Risiko für ADS und ADHS erhöhen oder auch nur deren Symptome verstärken.

Eine allumfassende Erklärung für die Entstehung von ADS und ADHS gibt es bislang allerdings nicht. Sehr wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen.

3. Wie viele Menschen haben ADHS oder ADS?

Die Symptome beginnen typischerweise vor dem zwölften Lebensjahr, werden aber nicht immer als ADS/ADHS erkannt. Weltweit sind zwischen zwei und sieben Prozent der Kinder von ADS/ADHS betroffen, der Durchschnitt liegt bei fünf Prozent. Weitere fünf Prozent weisen ADS/ADHS-Symptome auf, die aber keinen Schweregrad erreichen, der eine Diagnose rechtfertigt. Ob die Symptome tatsächlich Probleme verursachen, hängt auch davon ab, wie das Umfeld mit ihnen umgeht.

In Deutschland sind rund 500.000 Kinder und Jugendliche von ADS/ADHS betroffen, wobei bei Jungen die Störung zwei- bis viermal häufiger auftritt als bei Mädchen. Diese Zahl liegt im internationalen Durchschnitt. Für die Behauptung, dass ADS/ADHS eine Modediagnose sei und zu oft diagnostiziert werde, gibt es also keinen Beleg. Bei Erwachsenen wird das Ausmaß der Verbreitung noch eher unterschätzt.

4. Wächst sich ADHS im Erwachsenenalter aus?

ADS/ADHS-Symptome können sich im Lauf des Lebens verändern und weniger sichtbar werden oder sogar ganz verschwinden. Daher rührt die Auffassung, die Störung wachse sich mit der Zeit aus. Mit Beginn des Jugendalters verringert sich oft die Hyperaktivität. Aufmerksamkeitsprobleme oder Impulsivität bleiben meist bestehen. Auch erwachsene ADS/ADHS-Betroffene sind oft noch sehr impulsiv und vergesslich. Viele beschreiben beständige Gefühle von innerer Unruhe.

5. Welche Folgen kann ADHS haben?

Durch die Konzentrationsschwäche sind Probleme in der Schule eher die Regel als die Ausnahme, Erwachsene sind häufiger als andere Menschen arbeitslos. Da betroffene Kinder wegen ihres Verhaltens sowohl von Erwachsenen als auch von anderen Kindern häufig negative Rückmeldungen bekommen, können sie kein starkes Selbstwertgefühl aufbauen. Daraus entstehen später oft Angststörungen, von denen rund zwei Drittel der Erwachsenen mit ADS/ADHS betroffen sind. Etwa 70 Prozent entwickeln eine Depression. Infolgedessen ist die Suizidrate von ADS/ADHS-Betroffenen erhöht.

Um ihre innere Unruhe zu vermindern, konsumieren ADS/ADHS-Betroffene ab dem Jugendalter überdurchschnittlich häufig Alkohol oder andere Drogen. Bedingt durch ihre verstärkte Impulsivität und die Enthemmung durch Alkohol, kommt Gewalt bei Ihnen häufiger vor. Jugendliche und Erwachsene insbesondere mit ADHS kommen daher öfter als andere Menschen mit dem Gesetz in Konflikt, ihre Inhaftierungsrate ist erhöht.